Wahlprogramm der Linken
zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg

„Menschen zuerst“ heißt das Wahlprogramm, das Die Linke am 17. Oktober in Leinfelden-Echterdingen verabschiedet hat. Auf 70 Seiten schildert die Partei ihre Schwerpunkte für den Fall, dass sie bei der Wahl am 8. März 2026 zum ersten Mal den Sprung in den baden-württembergischen Landtag schaffen sollte.
Inhaltlich setzt das Programm stark auf die Themen soziale Gerechtigkeit, Gesundheitsversorgung und Klimaschutz. So fordert das Programm etwa bezahlbaren Wohnraum, den Erhalt von Krankenhäusern oder eine Transformation der Autoindustrie. Aber auch die Forderung nach dem Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs – zusätzlich zum Tiefbahnhof – oder nach gebührenfreien Kitas dürften Aufmerksamkeit erzeugen.

Landtags-Wahlprogramm „Menschen zuerst“
zum Wahlprogramm auf der Webseite der Linken
Kurzwahlprogramm in Leichter Sprache
Kampagnenseite menschenzuerst.de
Im Folgenden stellen wir die Aussagen des Programms nach Themen gegliedert vor.
Wirtschaft
Wirtschaft

Transformation der Automobilindustrie in nachhaltige Mobilitätsindustrie
In ihrem Programm wirbt die Linke für den Umbau von Autokonzernen und Zulieferern in eine nachhaltige Mobilindustrie. Der Prozess soll von Betriebsräten und Gewerkschaften eng begleitet werden.
Ökologische Neuausrichtung der Landwirtschaft
Die Linke fordert ein radikales ökologisches Umdenken in der Landwirtschaft. Biodiversität und Streuobstwiesen möchte sie erhalten, Flächenversiegelung und „übermäßige Nutztierhaltung“ beenden.
„Naturnahe Waldökosysteme“ für mehr Artenvielfalt
Auch in der Forstwirtschaft setzt die Linke auf Nachhaltigkeit und betont die Bedeutung des Waldes als wichtiger Rohstoffquelle, Klimaschutzfaktor und Lebensraum.
Arbeit

30-Stunden-Woche und landesspezifischer Mindestlohn
Die Linke möchte Fortschritte in den Bereichen Digitalisierung und KI für Arbeitserleichterungen und Arbeitszeitverkürzungen nutzen. Zentrale Forderung: Eine 30-Stunden Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich.
Mehr betriebliche Mitbestimmung
Zu besseren Arbeitsbedingungen gehört für die Linke auch mehr betriebliche Mitbestimmung – vor allem bei Personalthemen und Fragen, welche geplante Betriebsschließungen oder Standortverlagerungen sowie den Einsatz von KI betreffen.
Soziales
Gesundheit

Gemeinwohl statt Profit im Gesundheitssystem
Gesundheit sei keine Ware, sondern ein Menschenrecht. Daher fordert die Linke, das Gesundheitswesen grundlegend umzubauen und das „kapitalistische Wettbewerbs- und Profitprinzip“ abzuschaffen.
Gute Gesundheitsversorgung für alle
Mit Polikliniken, solidarischen Stadtteilgesundheitszentren und mobilen Kliniken im ländlichen Raum will die Linke gute Gesundheitsversorgung für alle ermöglichen.
Pflege und Sorgearbeit neu organisieren
Die Linke will das Prinzip „der sorgenden Städte und Gemeinden als feministisches Transformationsprojekt“ einführen. Pflegepersonal, Rettungssanitäter:innen und Hebammen sollen gestärkt werden.
Wohnen

Wohnen als Grundrecht
Wohnen – so die Linke – ist ein Menschenrecht. Daraus leitet die Partei Rechte für Wohnungslose, Senior:innen und andere auf dem Wohnungsmarkt marginalisierte Gruppen ab. Soziale Wohnungspolitik sei ein wichtiges Instrument gegen einen Rechtsruck unserer Gesellschaft.
Mietenwucher stoppen und Gemeinwohl stärken
Gegen steigende Mieten will die Linke mit einem Mietpreisdeckel, Vergesellschaftung und einem bundesweiten Sondervermögen „Soziales Wohnen“ vorgehen.
Bezahlbar, barrierefrei und klimafreundlich
Ab 2030 soll es in Baden-Württemberg keine neuen Baugebiete mehr geben, sodass keine zusätzlichen versiegelten Flächen mehr entstehen. Die Linke setzt daher auf Umbau statt Neubau.
Familie

Die Linke setzt Kinder ins Zentrum
Die Linke spricht sich gegen Adultismus (die strukturelle Machtungleichheit und Diskriminierung von jungen Menschen durch Erwachsene aufgrund ihres Alters) aus und setzt sich für die Förderung aller Kinder ein. Familien sollen durch gebührenfreie Kitas und kostenloses Mittagessen für alle Kinder entlastet werden.
Bildung & Forschung
Bildung

Gebührenfreie Kitas
Die Linke betont die Bedeutung der Kita, um allen Kindern gute Startbedingungen zu ermöglichen. Nach ihrem Willen soll es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz in Wohnortnähe geben. Die Ganztagesbetreuung möchte sie gebührenfrei machen.
Schule: Längeres gemeinsames Lernen und Investitionsoffensive
Die Linke versteht Bildung als Menschenrecht, welches alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geldbeutel und Geschlecht stärken soll. In der Schule müsse es um mehr als nur Noten gehen, etwa um Persönlichkeitsentwicklung, kritisches Denken und demokratisches Miteinander.
Ausbildung: kostenfreier Meisterbrief und Ausbildungsplatzumlage
Die Linke wirbt für eine verbesserte Finanzierung des dualen Ausbildungssystems: Unternehmen, die selbst keine Ausbildungsplätze anbieten, möchte sie zu einer „solidarischen Abgabe“ verpflichten, die Unternehmen mit Ausbildungsplätzen zugute kommen soll.
Studium & Wissenschaft

Studium: Höheres und elternunabhängiges BaföG
Ein Studium soll auch für Erstakademiker:innen attraktiv und finanzierbar sein. Über den Bundesrat möchte die Linke ein elternunabhängiges BaföG mit höheren Beiträgen auf den Weg bringen. Studiengebühren sollen grundsätzlich abgeschafft werden.
Zivil-ökologische Klausel in das Landeshochschulgesetz
Die Linke fordert eine zivil-ökologische Ausrichtung der Hochschulen. Eine entsprechende Klausel im Landeshochschulgesetz soll Forschung an Rüstungs- und klimaschädlichen Technologien verbieten. Die Einhaltung der Vorgaben soll im Sinne der Wissenschaftsfreiheit durch hochschuleigene Ethikkommissionen überwacht werden.
Mobilität und Ländlicher Raum
Mobilität

Mehr gemeinsam genutzte Fahrzeuge
Die Linke fordert in ihrem Wahlprogramm eine Mobilitätswende. Das bedeute: weniger motorisierten Individual- und Güterverkehr, gerade in den Innenstädten und Kommunen. Dort sollen stattdessen „Mobilitätsstationen mit Umstiegs-, Leih- und Abstellmöglichkeiten für unterschiedliche Fahrzeuge“ entstehen, flankiert durch ein landesweites Netz „von On-Demand-Kleinbussen, Carsharing, Rideshare-Fahrzeugen und Leihfahrrädern“.
Mehr Fahrradwege, kein Ausbau von Autobahnen
Fahrradwege und Radschnellwege will die Linke landesweit „zügig und umfassend“ ausbauen, auch indem das Land die Mittel des Bundes um 100 Millionen Euro aufstockt.
Linke will „zuverlässige Anbindung von jedem Dorf“
Den ÖPNV will die Linke stärken – auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn wenn mehr Menschen mit Bus und Bahn und mehr Güter auf der Schiene fahren, erwartet die Partei laut Wahlprogramm für Baden-Württemberg 70.000 bis 100.000 „gut bezahlte und qualifizierte Arbeitsplätze in der Mobilitätsindustrie“. An anderer Stelle heißt es: „Wir bauen den ÖPNV aus und schaffen gleichzeitig Hunderttausende neue Jobs im Ausbau der Infrastruktur und in der Produktion von Bus und Bahn.“ Auf welcher Grundlage die Zahlen errechnet wurden, geht aus dem Programm nicht hervor.
Für den Erhalt des oberirdischen Stuttgarter Hauptbahnhofs
Zur Schieneninfrastruktur im Land hat die Linke eine Reihe von Vorschlägen. So will die Partei den oberirdischen Hauptbahnhof in Stuttgart erhalten und modernisieren.
Infrastruktur

Milliardenschweres Investitionsprogramm gefordert
Neben den unter „Mobilität“ genannten Vorstößen zur Verkehrsinfrastruktur spielt das Thema auch an anderen Stellen im Wahlprogramm der Linken eine Rolle. Grundsätzlich plädiert die Linke für ein Investitionsprogramm in Höhe von 52,9 Milliarden Euro für die Infrastruktur, verteilt über zehn Jahre. Wie dieses Programm finanziert werden soll, wird aus dem Wahlprogramm nicht deutlich.
Ländlicher Raum

Linke will Regionalbudgets für strukturschwache Gegenden
„Sorgende Kommunen“ sind ein Ziel der Linken im ländlichen Raum. Neben einer zuverlässigen ÖPNV-Anbindung und den Mobilitätsgenossenschaften (s. Mobilität) braucht es dazu laut Wahlprogramm „wohnortnahe Kitas und Schulen, Gesundheits- und Pflegezentren, Kultur- und Jugendeinrichtungen“.
Energie und Klima
Energie

Rekommunalisierte Energie- und Wasserversorgung, Skepsis bei Wasserstoff
Die Linke will die Energie- und Wasserversorgung wieder in die Hände der Kommunen geben. In dem Zuge sollen auch Energiekonzerne wie die EnBW in gemeinnütziges Gemeineigentum überführt werden; das gleiche gilt für Netzbetreiber. Mit den Gewinnen will die Partei die Stromkosten senken und eine dezentrale erneuerbare Stromversorgung aufbauen.
Klima

Netto-Null-Emissionen bis 2035 geplant
Das Thema Klimakrise spielt im Linken-Wahlprogramm eine große Rolle – 50 Mal taucht allein das Wort „Klima“ in dem Dokument auf. Als Ziel formuliert das Programm „Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2035“. Das geht weit über den aktuellen Plan des Landes hinaus, bis 2040 klimaneutral zu sein. Nicht nur liegt das Ziel fünf Jahre früher, Netto-Null bedeutet auch weiterreichenden Klimaschutz als Klimaneutralität (wobei das Wahlprogramm an anderer Stelle auch von Klimaneutralität bis 2035 spricht).
Umwelt

Mehr Naturschutzgebiete, weniger Kunstdünger
Das Thema Umweltschutz spielt im Linken-Wahlprogramm insbesondere bei den Themen Klima und Landwirtschaft eine Rolle (siehe dort). So fordert die Partei eine Transformation der Land- und Forstwirtschaft mit Verweis auf den „Erhalt einer gesunden Umwelt“.
Innen- & Sicherheitspolitik
Inneres

Gegen „Militarisierung der Polizei“ und gegen Palantir
Bei der Polizei plant die Linke in ihrem Wahlprogramm eine Reihe von Änderungen. So will die Partei „ein Ende der Militarisierung der Polizei, etwa durch gepanzerte Fahrzeuge oder Explosivmittel“.
Bevölkerungsschutz

Mehr Unterstützung für Ehrenamtliche, Strukturreform im Rettungsdienst
Ehrenamtliche Hilfsorganisationen will die Linke stärken, unter anderem durch eine verlässliche Grundfinanzierung und mit gleichen Bedingungen für nichtstaatliche und staatliche Einsatzkräfte.
Justiz

Linke für Reform des Strafvollzugs und mehr Personal bei Justizbehörden
Die Linke fordert eine „stärkere politische Unabhängigkeit der Justiz“ sowie eine „ausreichende Personalausstattung der Justizbehörden“. So soll die „Unterfinanzierung der Strafjustiz und des Strafvollzugs“ beendet werden.
Steuern und Finanzen
Finanzen

Investitionspaket statt Schuldenbremse
Die Linke will Kommunen ausreichend finanzieren und dafür die Finanzbeziehung zwischen Bund, Ländern und Kommunen neu regeln. Mit einem sozialen und ökologischen Investitionspaket und der Abschaffung der Schuldenbremse soll Baden-Württemberg die Zukunft finanzieren.
Steuern

Einnahmen für die Kommunen
Eine höhere, aber gestaffelte Grunderwerbsteuer und eine sogenannte Gemeindewirtschaftssteuer sollen die kommunalen Kassen füllen. Außerdem setzt sich die Linke für eine verschärfte Bekämpfung von Steuerbetrug ein.
Umverteilung von oben nach unten
Die Linke will sich für eine finanzpolitische Wende einsetzen. Wer viel hat oder erbt, soll sich auch stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen.
Bevölkerung
Migration

Mehr Schutz und weniger (Grenz-)Kontrollen
Die Linke setzt sich für eine „humane Geflüchtetenpolitik“ ein: ohne Grenzkontrollen, Kriminalisierung von Fluchthelfer:innen und mit einem eigenen Landesaufnahmeprogramm.
Integration

Willkommensbehörde, Integrationsbeauftragte, Mitsprache
Die Linke fordert Schutz statt Abschiebung, Teilhabe statt Bevormundung „und eine aktive antirassistische Politik“. Dafür sollen in jeder Kommune Antidiskriminierungs- und Beratungsstellen geschaffen werden. Das Wahlrecht bei der Landtagswahl will die Linke auf alle Menschen, die seit mindestens drei Monaten in Baden-Württemberg leben ausweiten.
(Aus)Bildung für Geflüchtete
Einfachen Zugang zu Bildung von Kita bis Erwachsenenalter fordert die Linke. Vielsprachigkeit sieht sie als Stärke an und will den Zugang zum Arbeitsmarkt unabhängig vom rechtlichen Status erleichtern.
Demografie

Sicherer Wohnraum und Zugang zum Internet
Die Linke will mehr Mietrechte für Senior:innen (siehe Kapitel Wohnen). Außerdem soll durch seniorengerechte Angebote der Zugang zum Internet und zu Informationen gefördert werden. Außerdem soll ein Generationenbericht mit Handlungsempfehlungen sowohl für Politik für ältere Menschen als auch für Familienpolitik erarbeitet werden.
Demokratie & Gesellschaft
Demokratie

Demokratie fördern, Rechtsextremismus bekämpfen
Die Linke fordert mehr Demokratie in allen Bereichen und möchte die Brandmauer gegen den Rechtsextremismus verteidigen.
Kommunalpolitik: Mehr Bürgerbeteiligung, mehr Kinder- und Jugendbeteiligung
Geht es nach der Linken, sollen Kinder und Jugendliche an der demokratischen Willensbildung in Kommunen beteiligt werden – z. B. durch Kinder- und Jugendräte oder im Rahmen spezifischer Projekte.
Landespolitik: Erhöhung des Frauenanteils und weniger Hürden für Volksabstimmungen
Mit einem „landesweiten Paritätsgesetz“ will die Linke im Landtag von Baden-Württemberg zu einem Frauenanteil kommen, der dem Bevölkerungsanteil von Frauen entspricht. Das erforderliche Quorum bei Volksanträgen soll auf 20.000 Stimmen halbiert werden. Die Anmeldung soll auch online möglich sein.
Medien: Stärkung der öffentlich-rechtlichen Angebote
Im Sinne eines verlässlichen Informationsangebotes plant die Linke eine Stärkung und Weiterentwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Insbesondere die digitalen Angebote des SWR und Angebote für junge Menschen möchte sie ausbauen.
Gesellschaft

Mit feministischer Politik für soziale Sicherheit und Gleichstellung
Feminismus spielt eine zentrale Rolle im linken Wahlprogramm. Mit hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten, einem baden-württembergischen Aktionsplan gegen häusliche Gewalt und kostenlosen Verhütungs- und Menstruationsprodukten will die Linke für mehr Gleichstellung sorgen.
Ehrenamt und antifaschistische Erinnerungskultur stärken
Die Linke will mit mehr Wohnungen gegen den Rechtsruck kämpfen, macht sich für ehrenamtlichen Zivilschutz statt Wehrpflicht stark und will landesweit Kantinen für alle Menschen in Baden-Württemberg.
Kultur

Von Graffiti bis Bibliothek: Kultur für alle
Kunst und Kultur müsse, so die Linke, für alle Menschen zugänglich, möglichst kostenfrei, inklusiv und vielfältig sein. Dafür will sie Kulturinstitutionen und Künstler:innen staatlich fördern sowie Bibliotheken der Dinge, Proberäume und andere Kulturorte fördern.
Demokratische Medienpolitik
Die Linke will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) genauso stärken wie freie Medienkanäle. Sie fordert außerdem Internet für alle.








