Bündnis 90/Die Grünen

in Baden-Württemberg

Die Grünen (Bündnis 90/Die Grünen) sind eine Partei der linken Mitte, wobei der baden-württembergische Landesverband im bundesweiten Vergleich bereits seit den 1990er Jahren stärker in der politischen Mitte verortet ist und zahlreiche Anknüpfungspunkte ins konservative Lager aufweist.

 Traditionelle Kernthemen der Grünen sind Umwelt- und Klimaschutz ebenso wie der Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit und eine emanzipatorische Gesellschaftspolitik. Neben gemäßigt linken Positionen gehören auch liberale und wertkonservative Traditionen zum Profil der Partei – in Baden-Württemberg stärker als in anderen Bundesländern.

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Kurz & knapp: Informationen zur Partei

  • In Baden-Württemberg haben Bündnis 90/Die Grünen 24.600 Mitglieder (Stand: Juni 2025). Es ist damit einer der größten grünen Landesverbände in Deutschland.
  • Den Landesvorsitz teilt sich eine Doppelspitze aus Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller.
  • Mit 46 Kreisverbänden gestaltet die Partei, die 1979 gegründet wurde, Politik im Land.
  • Im 18. Landtag (ab Mai 2026) sind die Grünen mit 56 Abgeordneten vertreten. Sie haben damit gleich viele Sitze wie die CDU, auch wenn die Grünen die Wahl 2026 mit rund 27.000 Stimmen Vorsprung knapp gewonnen hatten.
  • Seit 2011 regieren die Grünen in Baden-Württemberg, zunächst in einer Koalition mit der SPD, seit 2016 mit der CDU. In den drei Legislaturperioden von 2011 bis 2026 war der Grüne Winfried Kretschmann Ministerpräsident, der zur Wahl 2026 jedoch nicht mehr antrat.

Was unterscheidet die Grünen in Baden-Württemberg von anderen Landesverbänden?

Die Grünen stehen in Baden-Württemberg für einen vergleichsweise mittigen Kurs und erreichen auf diese Weise auch konservativ denkende Menschen in ländlichen Regionen. Mit Winfried Kretschmann stellen die Grünen seit 2011 den ersten (und einzigen) Ministerpräsidenten der Partei. Er verkörpert den konservativ-grünen Landesvater und spricht Wählerinnen und Wähler an, die andernorts kaum grün wählen würden. Diese politische Ausrichtung unterscheidet sie von anderen Landesverbänden, die mitunter einen stärkeren Fokus auf soziale Gerechtigkeit und progressive Positionen legen.

Welche Rolle spielen die Grünen in Baden-Württemberg?

Bereits beim ersten Antreten zu einer Landtagswahl gelang den Grünen 1980 der Einzug in den baden-württembergischen Landtag. In den 1990er und 2000er Jahren feierten sie Erfolge bei OB-Wahlen in Konstanz, Freiburg und Tübingen, später auch in Stuttgart. Seit den Landtagswahlen 2011 sind die Grünen in Baden-Württemberg – neben der CDU – die prägende politische Kraft. Mit Winfried Kretschmann stellten sie von 2011 bis 2026 den Ministerpräsidenten, zur Wahl 2026 trat Kretschmann jedoch nicht mehr an. Zunächst regierten sie in einer Grün-Roten Koalition mit der SPD und ab 2016 in einer Grün-Schwarzen Koalition mit der CDU. Bei den Landtagswahlen 2016, 2021 und 2026 wurden die Grünen jeweils stärkste Kraft, im letztgenannten Fall mit einem halben Prozentpunkt Vorsprung der Stimmen vor der CDU.

 

Faktoren für die Stärke der Grünen in Baden-Württemberg

Wie in anderen Bundesländern profitierten die Grünen auch im Südwesten von der zunehmenden Bedeutung umwelt- und gesellschaftspolitischer Themen. Maßgeblichen Anteil am Höhenflug bei den Landtagswahlen 2011 hatten jedoch zwei externe Ereignisse im Vorfeld der Wahlen, die beide kein Resultat grüner Politik waren: Das von CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus verantwortete umstrittene Vorgehen der Polizei gegen die Stuttgart21-Proteste und das Reaktorunglück des japanischen Atomkraftwerks Fukushima. Die Grünen präsentierten sich in beiden Punkten als klare Alternative zur regierenden CDU und verfügten nach der Wahl gemeinsam mit der SPD über eine parlamentarische Mehrheit. 

Während die 2011 nur wenig schwächere SPD mit Verlusten aus der ersten Landesregierung ohne CDU-Beteiligung hervorging, konnten die Grünen ihre Beliebtheitswerte noch steigern. Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 erhielten sie landesweit die meisten Stimmen und landeten sogar in ländlich geprägten Wahlkreisen vor der CDU.

Als wesentliche Faktoren für die Stärke der Grünen in Baden-Württemberg gelten ihr politisch mittiger Kurs sowie die Popularität des langjährigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. In seiner Rolle als konservativer, grüner Landesvater erreichte Kretschmann auch viele strukturell-konservative Wählerinnen und Wähler. 

Welches Ziel hatten die Grünen für die Landtagswahl 2026?

Die Grünen wollten auch nach der Wahl 2026 die stärkste Fraktion im Landtag und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten stellen. Auf Winfried Kretschmann als Zugpferd mussten sie allerdings verzichten. Nach 15 Jahren im Amt kandidierte er nicht erneut. In seine Fußstapfen trat mit Cem Özdemir einer der bekanntesten Politiker aus Baden-Württemberg. Tatsächlich konnten die Grünen mit 30,2 Prozent der Stimmen – knapp – die Wahl gewinnen, obwohl es in den Monaten zuvor lange nach einer deutlichen Niederlage gegen die in Umfragen führende CDU ausgesehen hatte. Die Grünen-Landtagsfraktion ist nach der Wahl mit 56 Sitzen allerdings genauso groß wie die der CDU. 

Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen

Lena Schwelling

Lena Schwelling (geb. 1992) ist in Tübingen aufgewachsen, hat in Stuttgart Germanistik und Geschichte studiert und danach mehrere Jahre bei einem öffentlich-rechtlichen IT-Unternehmen gearbeitet. Schwelling war bereits in der Grünen Jugend aktiv und dort von 2015 bis 2019 Landessprecherin. Seit 2014 sitzt sie im Ulmer Stadtrat, seit 2021 ist sie Landesvorsitzende der Grünen in Baden-Württemberg.

Pascal Haggenmüller

Pascal Haggenmüller (geb. 1988) ist in Bretten geboren und in Oberderdingen aufgewachsen. In Freiburg hat er Politikwissenschaften, Geschichte und Italienisch studiert. 2017 war Haggenmüller Bundestagskandidat im Wahlkreis Karlsruhe-Land, seit 2019 ist er Mitglied des Landesvorstandes und war er Sprecher der LAG QueerGrün. 2021 wurde er zum Landesvorsitzenden gewählt.

Zahlen und Fakten

Mitgliederzahl
Die Grünen im Land haben aktuell rund 24.600 Mitglieder und zählen damit zu den größten Landesverbänden ihrer Partei in Deutschland (Stand: Juni 2025, Quelle).

Der Frauenanteil ist hoch
Im 2021 gewählten Landtag stellen die Grünen mit Abstand die meisten weiblichen Abgeordneten: 53,4 Prozent der grünen Abgeordneten sind weiblich – ein Rekord in dem sonst überwiegend von männlichen Abgeordneten geprägten Landtag (Durchschnitt: 32,5 Prozent, Quelle).

Organisationsstruktur
Der Landesverband gliedert sich in 46 Kreisverbände und zahlreiche Ortsverbände, die die Politik der Partei vor Ort gestalten. Aufgrund des basisdemokratischen Politikverständnisses der Grünen haben die Kreis- und Ortsverbände ein hohes Gewicht. Der Landesvorstand der baden-württembergischen Grünen hat 21 Mitglieder und setzt sich aus dem Geschäftsführenden Landesvorstand, dem gewählten Parteirat und dem Ministerpräsidenten zusammen.

Die Grüne Jugend ist Teilorganisation der Partei und wendet sich an interessierte Menschen bis 28 Jahre, wobei eine Parteimitgliedschaft nicht zwingend erforderlich ist.

Landesarbeitsgemeinschaften
Insgesamt 22 Landesarbeitsgemeinschaften (LAG) der Partei arbeiten zu politischen Schwerpunkthemen.

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Historische Entwicklung der Partei

Gründung als Sammelbecken und frühe Erfolge

Die „Gründungsszene“ war, wie in anderen Bundesländern auch, bunt und vielfältig. Es waren Alternative, Engagierte aus Bürgerinitiativen, „Müslis“ und „Spontis“, Anthroposophen, christlich Geprägte, ehemalige Mitglieder aus SPD und FDP, aber auch frühere Mitglieder von kommunistischen K-Gruppen oder eher konservativ angehauchten Gruppierungen: Die Grünen waren ein Sammelbecken sehr unterschiedlicher und teilweise auch widersprüchlicher Strömungen oppositioneller und alternativer Gruppen und Menschen.

„Ökologisch, sozial, basisdemokratisch und gewaltfrei“ waren die Kernpunkte der Gründungssatzung der Grünen. Leitidee der Bewegung war der „ökologische Humanismus“. Bereits fünf Monate nach dem Gründungsparteitag zählte die Partei 3.500 Mitglieder. Schon im März 1980 schafften es die Grünen, mit sechs Abgeordneten in den baden-württembergischen Landtag einzuziehen. Zum ersten Mal in Deutschland war die Partei damit im Parlament eines deutschen Flächenstaates vertreten. Und eine Besonderheit in Baden-Württemberg zeigt die frühe Verankerung der Partei nicht nur in den Groß- und Universitätsstädten des Landes, sondern auch in der Fläche: Bei der Landtagswahl 1980 blieb die Partei nur in zwei der 70 Wahlkreise unter der Fünfprozenthürde.

Der Wahlerfolg der Grünen wurde damals als Sensation bewertet. Viele Fachleute glaubten aber eher an ein Strohfeuer. Doch die Grünen in Baden-Württemberg hatten Erfolg: Auch im bundesweiten Vergleich konnten sie bei Wahlen in Baden-Württemberg meist Spitzenergebnisse einfahren.

Von der Protestpartei zur Reformpartei

Nach dem Zusammenschluss der Bundes-Grünen mit der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung „Bündnis 90“ nach der deutschen Wiedervereinigung haben sich auch die Grünen in Baden-Württemberg in Bündnis 90/Die Grünen umbenannt. 

Mit einem neuen Grundsatzprogramm („Die Zukunft ist grün“) wurde 2002 der Wandel von der Protestpartei zur Reformpartei vollzogen, der sich vor allem seit der Regierungsbeteiligung auf Bundesebene an der Seite der SPD von 1998 bis 2005 anbahnte. Im Vordergrund stand dabei die Verbindung von Ökologie und Wirtschaft. Über die gesamte Ära Merkel (2005-2021) hinweg waren die Grünen mit der Aufgabe konfrontiert, sich auf Bundesebene als Oppositionspartei zu profilieren. 

Bei der Bundestagswahl 2021 erzielten sie bundesweit mit 14,8 Prozent (Baden-Württemberg: 17,2 Prozent) ein Rekordergebnis und regierten in der Folge mit SPD und FDP in einer Ampelkoalition, die allerdings vorzeitig zerbrach. Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Februar 2025 kamen die Grünen noch auf 11,6 Prozent (Baden-Württemberg: 13,6 Prozent) und sind seither im Bund wieder in der Opposition.

Wachsender Einfluss von Bündnis 90/Die Grünen

1991 wurde mit Elmar Braun in Maselheim bei Biberach zum ersten Mal in Deutschland ein Grüner zum Bürgermeister gewählt. Es folgten weitere Städte mit grünen Oberbürgermeistern, so etwa 2002 Dieter Salomon in Freiburg (bis 2018), 2007 Boris Palmer in Tübingen (seit 2023 parteilos), 2013 Fritz Kuhn in Stuttgart (bis Anfang 2021) als erster Grüner Rathauschef einer Landeshauptstadt oder Alex Maier 2021 als Oberbürgermeister in Göppingen.

Im Landtag von Baden-Württemberg wurden die Grünen erstmals im März 2011 mit 36 Mandaten die zweitstärkste politische Kraft vor der SPD und der FDP. In einer Koalition mit der SPD konnten sie mit Winfried Kretschmann den bundesweit ersten grünen Regierungschef stellen.

Erster grüner Ministerpräsident Deutschlands

Bei der Wahl am 27. März 2011 verlor die Regierung von CDU/FDP unter Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Mehrheit im baden-württembergischen Landtag. Mit einem Stimmenzuwachs von 12,5 Prozent konnten die Grünen die SPD als zweitstärkste Fraktion ablösen. Das Ergebnis der Landtagswahl 2006 konnte die Partei damit mehr als verdoppeln. 

Dieser außergewöhnliche Stimmenzuwachs hatte mehrere Ursachen. Bei allen bundesweiten Umfragen stieg der Stimmenanteil der Grünen nach der Tsunami-Katastrophe beim Atomkraftwerk im japanischen Fukushima. Die hohe Wahlbeteiligung in den Stuttgarter Wahlkreisen zeigte allerdings auch, dass für Baden-Württemberg insbesondere das Infrastrukturprojekt „Stuttgart 21“ eines der wichtigsten Wahlthemen war. Hinzu kamen sinkende Zustimmungswerte für den CDU-Ministerpräsidenten Stefan Mappus.

Die inhaltliche Nähe der Grünen zur SPD führte schon während des Wahlkampfes zu gemeinsamen Auftritten der Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann und Nils Schmid. Kurz nach der Landtagswahl nahmen die beiden Parteien Koalitionsverhandlungen auf. Am 12. Mai wurde Winfried Kretschmann mit 71 Stimmen im Stuttgarter Landtag zum ersten grünen Ministerpräsidenten eines Bundeslandes gewählt. Diese Wahl war eine historische Zäsur, weil Winfried Kretschmann nach Reinhold Maier (FDP, 1952-1953) der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs war, der nicht der CDU angehörte. 

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Grün-schwarze Koalition

Bei der Landtagswahl 2016 schafften es die Grünen, erstmals in ihrer Geschichte stärkste Kraft bei einer Landtagswahl zu werden (30,3 Prozent). Von den 70 Direktmandaten im Land gewannen sie 46. Winfried Kretschmann wurde erneut zum Ministerpräsidenten gewählt, dieses Mal von einer grün-schwarzen Koalitionsmehrheit im Landtag.

Mit 32,6 Prozent der Stimmen erzielte die Partei bei der Landtagswahl 2021 das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Die Partei erhielt 58 Mandate im Landtag (Ende 2024 wechselte eine Abgeordnete zur CDU, sodass die Fraktion fortan aus 57 Abgeordneten bestand). Nach Sondierungen mit SPD und FDP für eine sogenannte „Grüne Ampel“ sowie der CDU für eine Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition entschied sich die Partei schließlich für die zweite Option. Im Mai 2021 trat Kretschmann seine dritte Amtszeit als Ministerpräsident an. zum Koalitionsvertrag

Sind die Grünen inzwischen von der Reformpartei zur Volkspartei geworden? Ja, sagen die einen, die ihrer Beurteilung solche Wahlerfolge wie in Baden-Württemberg zugrundelegen und nicht zuletzt auch den Mitgliederzuwachs der Partei sowie ihre inzwischen erfolgte Verankerung in der Fläche betrachten. Skeptiker verweisen jedoch auf die immer noch deutlich geringere Mitgliederzahl der Grünen im Vergleich zu CDU/CSU und SPD sowie auf die Tatsache, dass es nur wenige Bundesländer gibt, in denen die Grünen auch nur annähernd so stark sind wie in Baden-Württemberg. Zudem sei die Wählerbasis der Grünen eben doch nicht so breit wie die der „traditionellen“ Volksparteien. Die Grünen seien also eher eine Volkspartei der Akademiker bzw. derjenigen, die im Dienstleistungssektor und im öffentlichen Dienst arbeiten.

Eines dürfte jedoch stimmen: In ihrer Gründungsphase waren sie ein „bunter Haufen“. Sie haben sich im Laufe der Jahrzehnte von einer Protestpartei zu einer Reformpartei gewandelt, haben Regierungsverantwortung bewiesen – und sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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Autor: Internetredaktion LpB BW | letzte Aktualisierung: März 2026

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