Bildung und Erziehung

Wahlthema bei der Landtagswahl 2021

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Bildungstrends

Mehrere Studien vergleichen das Bildungsniveau der Schülerinnen und Schüler im Land mit dem Niveau in anderen Bundesländern, unter anderem der IBQ-Bildungstrend. Demnach konnte der Abwärtstrend der vergangenen Jahre gestoppt werden: 2018 zeigten Neuntklässler aus Baden-Württemberg in den Naturwissenschaften durchschnittliche Kompetenzen im deutschlandweiten Vergleich, in Mathematik belegten sie den vierten Platz im innerdeutschen Länder-Ranking. Die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an Gymnasien verschlechterten sich gegenüber der letzten Erhebung. Sie waren der erste getestete Jahrgang ohne verbindliche Grundschulempfehlung. Dafür legten Real-, Haupt-/Werkreal- und Gemeinschaftsschulen bei den gemessenen Leistungen zu (Quellen: IBQ-Bildungstrend 2018 // PM Kultusministerium).

Der vierte Bildungsbericht „Bildung in Baden-Württemberg 2018”, der gemeinsam vom Landesinstitut für Schulentwicklung und vom Statistischen Landesamt erstellt wird, sieht folgende Trends (Quellen: Bildungsbericht 2018, Pressemitteilung vom 24.1.2019):

  • Immer mehr Kinder gehen nach der Grundschule auf das Gymnasium oder die Realschule. Nur noch knapp sechs Prozent der Grundschulabgänger wechseln auf eine Werkreal-/Hauptschule, was auch mit dem Aufbau der Gemeinschaftsschule seit dem Schuljahr 2012/2013 zu tun hat. Außerdem erreichen immer mehr junge Erwachsene die Hochschulreife (33,5 Prozent) bzw. die Fachhochschulreife (11,6 Prozent) und damit eine Hochschulzugangsberechtigung.
  • Zunehmende Akademisierung: 87 Prozent eines Jahrgangs mit Hochschulzugangsberechtigung nehmen ein Studium auf.
  • Mehr Jugendliche ohne Abschluss: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Schule verlassen, ohne mindestens einen Hauptschulabschluss zu erreichen, stieg von rund fünf Prozent (2015) auf knapp sieben Prozent (2017) und liegt damit leicht über dem bundesweiten Durchschnitt.
  • Mehr Inklusion: Zunehmend mehr Schülerinnen und Schüler mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot werden in Baden-Württemberg inklusiv unterrichtet. Ihr Anteil stieg von zwölf Prozent im Schuljahr 2015/16 auf 15 Prozent im Schuljahr 2017/18.
  • Zwischen 20 und 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen benötigen Förderung, da grundlegende Basiskompetenzen wie Schreiben, Lesen oder Rechnen nicht altersentsprechend entwickelt sind.
  • Bildung hängt nach wie vor von der sozialen Herkunft ab: Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte  oder aus sozial schwächeren Schichten erzielen schlechtere Bildungsergebnisse.

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Schulen

In Baden-Württemberg hat die grün-rote Landesregierung 2012 die Gemeinschaftsschule als neuen Schultyp eingeführt. Die Besonderheit des Schultyps besteht darin, dass unterschiedlich leistungsstarke Kinder an einer Bildungseinrichtung lernen. Das Sitzenbleiben ist abgeschafft, Noten werden in der Regel nur im Abschlusszeugnis vergeben. Auch bei dieser Landtagswahl debattieren die Parteien über die Vor- und Nachteile der Gemeinschaftsschule. Aktuell gibt es 306 öffentliche und 13 private Gemeinschaftsschulen im Land.

Ebenfalls in der Debatte ist die Einführung der Ganztagsschule gewesen. In Baden-Württemberg ist diese seit 2014 im Schulgesetz verankert. Eltern und Schulträger können zwischen einer verbindlichen Ganztagsschule und einer Wahlform entscheiden. Ziel der Landesregierung war und ist der flächendeckende Ausbau von Ganztagsgrundschulen.

Seit Jahren sorgt die Debatte um G8 und G9, also das Gymnasium in acht oder neun Jahren, für Gesprächsstoff. Aktuell ist G8 der landesweite Standard, allerdings gibt es 44 Modellschulen im Land, an denen G9 parallel getestet wird (Quelle). Insbesondere nach den coronabedingten Stundenausfällen meldet sich nun die Elterninitiative „G9 jetzt!” erneut zu Wort und fordert, das Gymnasium grundsätzlich ein Jahr zu verlängern, um den ausgefallenen Stoff auszugleichen (Quelle: BNN).

Als weiterführende Schulart ist nach wie vor das Gymnasium am beliebtesten, 43 Prozent der Grundschulabgänger wechselten im Schuljahr 2019/20 dorthin. An Realschulen wechselten 34 Prozent, an Gemeinschaftsschulen 13 und an Werkreal-/Hauptschulen sechs Prozent (Quelle: Statistisches Landesamt).

Weitere Themen

Inklusion in der Schule

Unter Inklusion versteht man die Teilhabe aller an einer Gesellschaft (mehr: bpb Inklusion). Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Informationen zu Wahlen wie auf diesem Portal in Leichter Sprache zur Verfügung stehen, damit alle wählen können.

Die grün-rote Landesregierung hatte im Juli 2015 das Schulgesetz geändert: Eltern von Kindern mit Behinderungen können seitdem selbst entscheiden, ob ihr Kind eine Regel- oder eine Sonderschule besuchen soll. Sie können allerdings nicht darauf bestehen, dass ihr Kind eine bestimmte Schulform besuchen darf, beispielsweise ein Gymnasium. 2016 war das noch ein vieldiskutiertes Wahlthema, inzwischen aber ist die Debatte über dieses Thema deutlich abgeflacht. Laut Kultusministerium herrscht nach wie vor Fachkräftemangel im Bereich der Sonderpädagogik. Insgesamt zieht das Ministerium allerdings ein positives Fazit: Immer mehr Schulen würden sich für inklusive Bildungsangebote öffnen und Inklusion von Beginn an mitdenken. So stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die ein inklusives Bildungsangebot nutzen, in den vergangenen Schuljahren leicht an (Quelle).

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Digitalisierung an Schulen

Schon vor der Corona-Pandemie war es erklärtes Ziel von Bund und Ländern, die Digitalisierung an den Schulen voranzubringen. Dazu startete im September 2019 das Förderprogramm „DigitalPakt Schule”. Der Bund stellt dafür in den kommenden Jahren insgesamt fünf Milliarden Euro zur Verfügung, von denen etwa 650 Millionen Euro nach Baden-Württemberg fließen. Über den "DigitalPakt Schule” werden insbesondere Investitionen in den Aufbau oder die Verbesserung digitaler Infrastrukturen von Schulen gefördert. Hierzu gehört beispielsweise die Einrichtung von WLAN an Schulen oder die Versorgung mit digitalen Endgeräten (Quelle: Kultusministerium).

Allerdings ist bis Mitte 2020 gerade einmal eine Million Euro nach Baden-Württemberg gegangen. Die eingegangenen Verpflichtungen betragen etwas über zehn Millionen Euro - ein verschwindend geringer Anteil an der gesamten Fördersumme (Quelle: BMBF). Für die schleppende Umsetzung des Programms werden vor allem hohe bürokratische Hürden verantwortlich gemacht.

Aufgrund der Corona-Pandemie kam es im Frühjahr 2020 zu bundesweiten Schulschließungen und der Verlagerung des Unterrichts ins Digitale. Dadurch traten teilweise gravierende Defizite beim Thema „Digitalisierung von Schulen” zutage. Ob Anschluss von Schulen an das Breitbandnetz, entsprechend geschultes Lehrpersonal, mobile Endgeräte für Schülerinnen und Schüler oder qualitativ hochwertiger Digitalunterricht - in ganz Deutschland fehlt es an digitaler Infrastruktur, Ausstattung und auch pädagogischer Kompetenz. So ergab beispielsweise eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg unter 2.000 Schulen im Sommer 2020, gerade einmal fünf Prozent der Schulen könnten digitalen Unterricht leisten (Quelle: GEW). Das Thema „Digitalisierung von Schule und Unterricht” wird sicherlich auch bei der Landtagswahl 2021 eine wichtige Rolle spielen.

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Dossier: Folgen der Corona-Krise

Bringt Corona die Digitalisierung an Schulen voran?

Der Digitalpakt sollte Schulen auf den neusten Stand der Technik bringen und fit für die Zukunft machen. Aber so recht vorangekommen ist das digitale Lehren und Lernen noch nicht, wie die Corona-Krise offenlegt. Was zeigen die Homeschooling-Erfahrungen? Und ist Corona wirklich der notwendige Weckruf für eine erfolgreiche Bildungsdigitalisierung?
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Kinderbetreuung

In den vergangenen Jahren wurden in Baden-Württemberg die Plätze in der Kleinkinderbetreuung massiv ausgebaut. Das Ziel ist es, allen Eltern, die dies wünschen, einen Krippenplatz für ihre unter dreijährigen Kinder zur Verfügung zu stellen. Seit August 2013 haben Eltern darauf einen Rechtsanspruch, allerdings gibt es noch immer nicht genügend Kindertagesplätze.

Kindertagespflegen und Kindertageseinrichtungen betreuten 2019 rund jedes dritte Kind unter drei Jahren in Baden-Württemberg, genauer gesagt rund 30 Prozent. Der Anteil betreuter Kleinkinder steigt seit Jahren an. Bei den Drei- bis Sechsjährigen lag die Betreuungsquote 2019 bei 94,5 Prozent (Quelle: Statistisches Landesamt). 

Die Kosten für einen Betreuungsplatz unterscheiden sich innerhalb Baden-Württembergs stark. Insbesondere für ärmere Familien bedeuten die Beiträge eine finanzielle Belastung. Die SPD scheiterte 2019 mit ihrem geplanten Volksbegehren für gebührenfreie Kitas in Baden-Württemberg vor dem Landesverfassungsgericht (Quelle: RNZ). Im baden-württembergischen Landtagswahlkampf des Jahres 2021 spielt deshalb auch die Frage nach einer (teilweisen) Beitragsfreiheit von Krippen und Kindergärten sowie generell die Situation der Kinderbetreuung eine Rolle.

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Fachkräftemangel

Die Bevölkerung von Baden-Württemberg nahm in den letzten Jahren zu, sowohl durch Zuwanderung als auch durch leicht gestiegene Geburtenraten. Außerdem steigt die Zahl der Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind. Damit wächst auch die Nachfrage nach Bildungs- und Betreuungsangeboten und damit der Bedarf an entsprechenden Fachkräften.

Die Ausbildungszahlen im Beruf der Erzieherinnen und Erzieher sind in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen und haben 2019/2020 einen Höchststand erreicht (Quelle: Statistisches Landesamt). Dennoch ist der Bedarf an pädagogischen Fachkräften für Kindertageseinrichtungen weiterhin hoch.

Das Statistische Landesamt rechnet für das Schuljahr 2030/2031 mit zwölf Prozent mehr Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden Schulen als 2018/2019. Schon heute fehlen vor allem Lehrkräfte an Grundschulen und beruflichen Schulen. Doch der Ersatzbedarf an Lehrerinnen und Lehrern wird in Zukunft für alle Schularten steigen. Viele Lehrkräfte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Lehramtsstudierenden für allgemeinbildende sowie berufliche Schulen ab (Quellen: Bildungsbericht, Statistisches Landesamt).

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Wahlaussagen der Parteien zu Bildung und Betreuung

Eine Analyse der Wahlprogramme zur Landtagswahl 2021

Sobald die Wahlprogramme der Parteien verabschiedet bzw. veröffentlicht sind, stellt die LpB an dieser Stelle eine Analyse zum Thema „Bildung und Betreuung” online. Noch sind jedoch nicht alle Wahlprogramme bekannt.

Das Wahlprogramm der Grünen

Hinweis: Das Wahlprogramm wurde am 12. und 13. Dezember 2020 bei der digitalen Landesdeligiertenkonferenz beschlossen, ist jedoch noch nicht veröffentlicht (Stand: Dezember 2020).

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Das Wahlprogramm der CDU

Hinweis: Das Wahlprogramm ist noch nicht veröffentlicht (Dezember 2020).

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Das Wahlprogramm der AfD

Hinweis: Das Wahlprogramm ist noch nicht veröffentlicht (Dezember 2020).

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Das Wahlprogramm der SPD

Hinweis: Das Wahlprogramm wurde am 14. November 2020 auf dem digitalen Parteitag verabschiedet. In Kürze finden Sie unsere Analyse des Wahlprogramms zu ausgewählten Themen vor.

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Wahlaussagen der FDP zu Bildung und Betreuung

Hinweis: Die Seitenzahlen des folgenden Abschnitts beziehen sich noch auf die vorläufige Fassung des Wahlprogramms und werden noch aktualisiert.

Kinderbetreuung

Die FDP sieht keine Notwendigkeit für eine gebührenfreie Kinderbetreuung (S. 28), spricht sich aber vor dem Hintergrund einer starken Wirtschaftsfähigkeit für eine Kinderganztagesbetreuung aus (S. 43).

Schulbildung

Baden-Württemberg zeige Qualitätsdefizite in der Bildung, so die FDP. Ihre klaren Forderungen: ein gegliedertes Schulsystem, die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung und der Beibehalt der Sonderschulen. Die Arbeitslosigkeit von Lehrkräften in den Sommerferien möchte sie beenden. Gemeinschaftsschulen will die Partei zwar nicht abschaffen, aber Haupt- und Werkrealschulen wieder verstärkt weiterentwickeln und enger an die beruflichen Schulen binden. Die FDP fordert Gemeinschaftsschulen auf, weiterhin Noten zu vergeben und eine Nichtversetzung als Option zu belassen (S. 30). G8 und G9 sowie offene oder verpflichtende Ganztagsschule fielen, so der Plan der FDP, unter die Entscheidungsfreiheit der Schule (S. 32).

Grundschulen sollen ortsnah erhalten bleiben, alle Lehrstellen an Grundschulen besetzt werden. Die Partei fordert, Ethik als Alternative zum Religionsunterricht anzubieten (S. 29). Die FDP setzt sich auch für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Schulunterricht ein (S. 26, 27).

Bei der Digitalisierung der Schulen sieht die FDP dringenden Handlungsbedarf, sowohl bei der Wissensvermittlung zur Informationstechnik als auch beim Einsatz digitaler Methoden im Unterricht. Ihr Ansatz ist die Fortbildung der Lehrkräfte, Informatik als Wahlpflichtfach und mehr Medienbildung im Unterricht. IT-Support an den Schulen soll durch „digitale Hausmeister“ stattfinden, Lernplattformen und digitale Lehrmethoden sollen verstärkt eingesetzt werden. WLAN und Glasfaseranschluss an allen Schulen ist das Ziel der FDP (S. 22, 23). Als Lehre aus der Corona-Krise zieht sie, den notwendigen Präsenzunterricht um die Methode des Fernunterrichts grundsätzlich zu ergänzen, sowohl in der Schule als auch im Studium (S 41).

Studium

Die FDP spricht sich gegen eine Zivilklausel aus (S. 38). Sie möchte die Hochschulen sanieren und dafür Haushaltsmittel in Milliardenhöhe zur Verfügung stellen (S. 39). Außerdem soll die Gründungskultur an den Hochschulen gestärkt werden (S. 42).

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zur gesamten Analyse des Wahlprogramms der FDP
(Hinweis: Die Seitenzahlen beziehen sich auf die vorläufige Fassung des Wahlprogramms.)

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Das Wahlprogramm der LINKEN

Hinweis: Das Wahlprogramm wurde am 5. Dezember 2020 beim Landesparteitag beschlossen, ist jedoch noch nicht veröffentlicht (Stand: Dezember 2020).

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Letzte Aktualisierung: Dezember 2020, Internetredaktion LpB BW.