Bildung und Betreuung

Wahlthema zur Landtagswahl 2021

Während 2016 noch die Debatten um Inklusion, G8 und G9, die Ganztagsschule und die Gesamtschule die Bildungspolitik dominierten, rückte die Corona-Pandemie den Fokus auf die Digitalisierung von Schule und Lehre. 

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Bildung in Baden-Württemberg

Laut Erhebungen der Caritas verlassen mehr Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg die Schule, ohne mindestens einen Hauptschulabschluss zu erreichen. Lag die Quote 2015 noch bei rund fünf Prozent, stieg sie 2017 auf sieben Prozent, leicht über dem deutschlandweiten Durchschnitt. 

Mehrere Studien vergleichen das Bildungsniveau der Schülerinnen und Schüler im Land mit dem Niveau in anderen Bundesländern, unter anderem der IBQ-Bildungstrend. 2018 zeigten Neuntklässler beim IBQ-Bildungstrend in den Naturwissenschaften durchschnittliche Kompetenzen im deutschlandweiten Vergleich, in Mathematik belegten sie den vierten Platz. Länder wie Bayern oder Sachsen erzielten bessere Ergebnisse. Die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an baden-württembergischen Gymnasien verschlechterten sich gegenüber der letzten Erhebung – sie waren der erste getestete Jahrgang ohne verbindliche Grundschulempfehlung. Aber: Dafür legten Real-, Haupt-/Werkreal- und Gemeinschaftsschulen bei den gemessenen Leistungen zu. (Quellen: IBQ-Bildungstrend 2018 // PM Kultusministerium)

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Schulen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat die grün-rote Landesregierung 2012 die Gemeinschaftsschule als neuen Schultyp eingeführt. Die Besonderheit des Schultyps besteht darin, dass unterschiedlich leistungsstarke Kinder an einer Bildungseinrichtung lernen. Das Sitzenbleiben ist abgeschafft, Noten werden in der Regel nur im Abschlusszeugnis vergeben. Auch bei dieser Landtagswahl debattieren die Parteien über die Vor- und Nachteile der Gemeinschaftsschule.

Ebenfalls in der Debatte war die Einführung der Ganztagsschule. In Baden-Württemberg ist diese seit 2014 im Schulgesetz verankert. Eltern und Schulträger können zwischen einer verbindlichen Ganztagsschule und einer Wahlform entscheiden. Ziel der Landesregierung war und ist der flächendeckende Ausbau von Ganztagsgrundschulen.

Seit Jahren für Gesprächsstoff sorgt die Debatte um G8 und G9, also das Gymnasium in acht oder neun Jahren. Aktuell ist G8 der landesweite Standard, allerdings gibt es 44 Modellschulen im Land, an denen G9 parallel getestet wird (Quelle). Insbesondere nach den coronabedingten Stundenausfällen meldet sich nun die Elterninitiative "G9 jetzt!" erneut zu Wort und fordert, das Gymnasium grundsätzlich ein Jahr zu verlängern, um den ausgefallenen Stoff auszugleichen (Quelle: BNN).

Als weiterführende Schulart ist nach wie vor das Gymnasium am beliebtesten, 43 Prozent der Schüler*innen wechselten nach der Grundschule im Schuljahr 19/20 dorthin. An Realschulen wechselten 34 Prozent, an Gemeinschaftsschulen 13 und Werkreal-/Hauptschulen sechs Prozent (Quelle: Statistisches Landesamt).

 

Anzahl allgemeinbildender Schulen in Baden-Württemberg
Schuljahr 2018/19, nur öffentliche Schulen

Schulart

Anzahl

Grundschulen

2.339

Werkreal-/Hauptschulen

458

SBBZ

401

Realschulen

423

Gymnasien

377

Gemeinschaftsschule (Inkl. Sekundarstufe II)

308

Schulen besonderer Art

3

Quelle: Statistisches Landesamt

 

Weitere Themen

Inklusion in der Schule

Unter Inklusion versteht man die Teilhabe aller an einer Gesellschaft (mehr: bpb Inklusion). Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Informationen zu Wahlen wie auf diesem Portal in leichter Sprache zur Verfügung stehen, damit jeder und jede wählen kann.

Die grün-rote Landesregierung hatte im Juli 2015 das Schulgesetz geändert: Eltern von Kindern mit Behinderungen konnten fortan selbst entscheiden, ob ihr Kind eine Regel- oder eine Sonderschule besuchen soll. Sie können allerdings nicht darauf bestehen, dass ihr Kind eine bestimmte Schulform besuchen darf, beispielsweise ein Gymnasium. 2016 noch ein vieldiskutiertes Wahlthema, flacht die Debatte 2020 darum ab. Laut Kultusministerium herrscht nach wie vor Fachkräftemangel im Bereich der Sonderpädagogik. Insgesamt zieht das Ministerium allerdings ein positives Fazit: Immer mehr Schulen würden sich für inklusive Bildungsangebote öffnen und Inklusion von Beginn an mitdenken. So stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die ein inklusives Bildungsangebot nutzen, in den vergangenen Schuljahren leicht an (Quelle).

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Kinderbetreuung in Baden-Württemberg

In den vergangenen Jahren wurden in Baden-Württemberg die Plätze in der Kleinkinderbetreuung massiv ausgebaut. Das Ziel ist es, allen Eltern, die dies wünschen, einen Krippenplatz für ihre ein- und zweijährigen Kinder zur Verfügung zu stellen. Seit August 2013 haben Eltern darauf einen Rechtsanspruch, allerdings gibt es noch immer nicht genügend Kindertagesplätze.

Kindertagespflegen und Kindertageseinrichtungen betreuten 2019 rund jedes dritte Kind unter drei Jahren in Baden-Württemberg, genauer gesagt rund 30 Prozent. Der Anteil betreuter Kleinkinder steigt seit Jahren an. Bei den 3- bis unter 6-Jährigen lag die Betreuungsquote 2019 bei 94,5 Prozent (Quelle: Statistisches Landesamt). 

Die Kosten für einen Betreuungsplatz unterscheiden sich in Baden-Württemberg stark und sind nicht einheitlich. Insbesondere für ärmere Familien bedeuten die Beiträge eine finanzielle Belastung. Die SPD scheiterte 2019 mit ihrem geplanten Volksbegehren für gebührenfreie Kitas in Baden-Württemberg vor dem Landesverfassungsgericht (Quelle: RNZ). Im baden-württembergischen Landtagswahlkampf spielt deshalb auch dei Frage nach einer (teilweisen) Beitragsfreiheit von Krippen und Kindergärten eine Rolle.

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Wahlversprechen der Parteien zu Bildung und Betreuung

Eine Analyse der Wahlprogramme zur Landtagswahl 2021

Sobald die Wahlprogramme der Parteien öffentlich sind, stellt die Landeszentrale für politische Bildung an dieser Stelle eine Analyse der Programme zum Wahlthema Bildung und Betreuung online. Noch sind nicht alle Wahlprogramme bekannt. 

Das Wahlprogramm der Grünen

Hinweis: Das Wahlprogramm wird voraussichtlich auf dem Landesparteitag im Dezember 2020 beschlossen.

Das Wahlprogramm der CDU

Hinweis: Das Wahlprogramm ist noch nicht veröffentlicht (September 2020).

Das Wahlprogramm der AfD

Hinweis: Das Wahlprogramm ist noch nicht veröffentlicht (September 2020).

Das Wahlprogramm der SPD

Hinweis: Das Wahlprogramm wird voraussichtlich am 13. und 14. November beim Landesparteitag in Freiburg verabschiedet. 

Wahlversprechen der FDP zu Bildung und Betreuung

Kinderbetreuung

Die FDP sieht keine Notwendigkeit für eine gebührenfreie Kinderbetreuung (S. 28), spricht sich aber vor dem Hintergrund einer starken Wirtschaftsfähigkeit für eine Kinderganztagesbetreuung aus (S. 43).

Schulbildung

Baden-Württemberg zeige Qualitätsdefizite in der Bildung, so die FDP. Ihre klaren Forderungen: ein gegliedertes Schulsystem, die verbindliche Grundschulempfehlung wiedereinführen und Sonderschulen behalten. Die Arbeitslosigkeit von Lehrkräften in den Sommerferien möchte sie beenden. Gemeinschaftsschulen will die Partei zwar nicht abschaffen, aber Haupt- und Werkrealschulen wieder verstärkt weiterentwickeln und enger an die beruflichen Schulen binden. Die FDP fordert Gemeinschaftsschulen auf, weiterhin Noten zu vergeben und Nichtversetzung als Option zu belassen (S. 30). G8 und G9 sowie offene oder verpflichtende Ganztagsschule fielen, so der Plan der FDP, unter die Entscheidungsfreiheit der Schule (S. 32).

Die FDP setzt sich für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Schulunterricht ein (S. 26, 27). Grundschulen sollen ortsnah erhalten bleiben, alle Lehrstellen an Grundschulen besetzt werden. Die Partei fordert, Ethik als Alternative zum Religionsunterricht anzubieten (S. 29).

Bei der Digitalisierung der Schulen sieht die FDP dringenden Handlungsbedarf, sowohl bei der Wissensvermittlung zu Informationstechnik als auch beim Einsatz digitaler Methoden im Unterricht. Ihr Ansatz ist die Fortbildung der Lehrkräfte, Informatik als Wahlpflichtfach und mehr Medienbildung im Unterricht. IT-Support an den Schulen soll durch "digitale Hausmeister" stattfinden, Lernplattformen und digitale Lehrmethoden sollen verstärkt eingesetzt werden. WLAN und Glasfaseranschluss an allen Schulen ist das Ziel der FDP (S. 22, 23). Als Lehre aus Corona zieht sie, den notwendigen Präsenzunterricht um die Methode des Fernunterrichts grundsätzlich zu ergänzen, sowohl in der Schule als auch im Studium (S 41).

Studium

Die FDP spricht sich gegen eine Zivilklausel aus (S. 38). Sie möchte die Hochschulen sanieren und dafür Haushaltsmittel in Milliardenhöhe zur Verfügung stellen (S. 39), außerdem soll die Gründungskultur gestärkt werden (S. 42).

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zur gesamten Analyse des Wahlprogramms der FDP
(Hinweis: Die Seitenzahlen beziehen sich auf die vorläufige Fassung des Wahlprogramms.)

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