Umfragen zur Landtagswahl 2021

Die Landtagswahl 2016 zeigte: Alle Meinungsforschungsinstitute lagen mit ihren Prognosen zur Landtagswahl deutlich daneben. Die FDP sahen alle Institute über der Fünfprozenthürde; dass sie aber auf 8,3 Prozent zulegen würde, sahen die Institute nicht kommen. Und dass die AfD sogar vor der SPD liegen würde, sagte keines der Umfrageinstitute voraus.

Umfrage zur Landtagswahl 2021SWR, Stuttgarter Zeitung, Stand: 30.04.2020Grüne34,0 %CDU30,0 %AFD12,0 %SPD11,0 %FDP6,0 %Linke3,0 %Sonstige4,0 %

Die Reihenfolge der Parteien in der Grafik entspricht dem Wahlergebnis der einzelnen Parteien bei der Landtagswahl am 13. März 2016.

Erläuterungen zu den Umfragen vom 30. April 2020

Würde am kommenden Sonntag der neue Landtag von Baden-Württemberg gewählt, kämen die Grünen auf 34 Prozent. Die CDU kann sich im Vergleich zur Umfrage im März um 7 Prozent auf 30 Prozent verbessern. Die AfD verliert zwei Punkte und liegt bei 12 Prozent. Die SPD bleibt wie im Vormonat bei 11 Prozent, die FDP verliert einen Punkt und kommt jetzt auf 6 Prozent. Die Linke verliert zwei Punkte und liegt damit bei 3 Prozent, würde also nicht in den Landtag einziehen.

Rechnerisch wären nach diesem Umfrageergebnis wieder eine grün-schwarze Koalition (Grüne und CDU) möglich. Auch eine Ampel-Koalition aus Grünen, FDP und SPD hätte eine Mehrheit im Stuttgarter Landtag. Mit der AfD möchte keine andere Partei koalieren.

Das Berliner Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hatte im Auftrag des SWR im Zeitraum vom 27. bis 28. April 2020 1.003 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg telefonisch befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kann sein Ansehen auch wegen seinem Krisenmanagement in der Corona-Pandemie im Vergleich zum März steigern und bekommt derzeit von 78 Prozent (+5) der Bürgerinnen und Bürgern hohe Zustimmungswerte für seine Arbeit. Er punktet nicht nur bei Wählerinnen und Wählern der Grünen, sondern auch bei Anhängern anderer Landtagsparteien. Selbst jeder zweite Anhänger der AfD ist zufrieden mit seiner Arbeit. Nur 16 Prozent sind mit seiner Arbeit weniger/gar nicht zufrieden. Bei CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann halten sich Lob und Kritik im Bundesland in etwa die Waage (29:26 Prozent). Sie ist ein Jahr vor der Landtagswahl immer noch vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht bekannt (45 Prozent).

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Wie aussagekräftig sind Wahlumfragen?

Wahlprognosen und Trendaussagen im Vorfeld einer Wahl haben nur einen begrenzten Informationswert. Sie sind Momentaufnahmen und keine zuverlässigen Prognosen für den Wahltag. Die Wahlen in den vergangenen Jahrzehnten haben gezeigt, dass Umfragen nur selten den tatsächlichen Ergebnissen entsprochen haben. Nach Ansicht von Wahlforschern kommt es vor allem dann zu deutlichen Fehlprognosen, wenn ein großer Anteil der Wähler bis kurz vor der Wahl unentschlossen ist. Ein hoher Anteil an Wechselwählern kann Prognosen zusätzlich erschweren.

Wahlumfragen beruhen auf Umfragen, die unterschiedliche Institute unter Wahlberechtigten durchführen. Wahlumfragen sind Momentaufnahmen. Sie geben ein eingeschränktes Stimmungsbild zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder. Wie genau die Umfragen sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

  • Repräsentativität: Umfrageinstitute befragen in der Regel einige tausend Wahlberechtigte und versuchen daraus zu errechnen, wie die Gesamtzahl der Wahlberechtigten abstimmt. Dafür muss die Zusammensetzung der Befragten jedoch der Zusammensetzung der gesamten Wählerschaft entsprechen. Das bedeutet, dass Faktoren wie die Altersstruktur, die Geschlechterzusammensetzung, die politischen Präferenzen etc. in der Gruppe der Befragten mit der gesamten Wählerschaft übereinstimmen müssen. Weil Umfrageinstitute in der Regel kommerziell arbeiten, gehört es zu ihren Geschäftsgeheimnissen, wie sie versuchen, die Repräsentativität der Befragten zu ermitteln.
  • Parteibindungen: Jahrzehntelang spielten in der Bundesrepublik gewachsene Bindungen zwischen Wähler/-innen und Parteien eine große Rolle. Diese erleichterten auch die Vorhersage des Wahlverhaltens bestimmter Gruppen. In den letzten Jahren hat die Bedeutung der Parteibindungen jedoch abgenommen, es gibt mehr Wechselwähler/-innen als vorher – das erschwert Prognosen.
  • Ehrlichkeit: Prognosen werden auch dadurch erschwert, dass bei Umfragen nicht alle Befragten ihre wahren Parteipräferenzen angeben. Wenn Befragte beispielsweise den Eindruck haben, dass ihre Wahlpräferenzen sozial nicht erwünscht sind, geben sie möglicherweise keine ehrliche Antwort auf die Frage, wen sie wirklich wählen möchten. "Menschen, die glauben, dass sie die öffentliche Meinung gegen sich haben, geben nicht zu, wie sie wählen. Das merkten wir gerade bei der AfD", sagte beispielsweise der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter (Quelle: Huffington Post)

Infratest dimap erklärt auf der Webseite zur Sonntagsfrage, dass Rückschlüsse auf den Wahlausgang nur bedingt möglich sind: "Nicht nur legen sich immer mehr Wähler kurzfristiger vor einer Wahl fest, auch hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen (Quelle)."

Ob die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen die Wähler beeinflussen kann, ist umstritten. So gehen manche Forscher davon aus, dass Wähler einer Partei entmutigt werden, wenn diese laut Prognosen an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern droht. Für das Wahlergebnis ist letztendlich nur das tatsächliche Abstimmungsverhalten der Wählerinnen und Wähler entscheidend.

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