Umfragen zur Landtagswahl 2021

Die Landtagswahl 2016 zeigte: Alle Meinungsforschungsinstitute lagen mit ihren Prognosen zur Landtagswahl deutlich daneben. Die FDP sahen alle Institute über der Fünfprozenthürde; dass sie aber auf 8,3 Prozent zulegen würde, sahen die Institute nicht kommen. Und dass die AfD sogar vor der SPD liegen würde, sagte keines der Umfrageinstitute voraus.

Für die Landtagswahl 2021 liegen erste Umfragen vor. Die Reihenfolge der Parteien in der Grafik entspricht dem Wahlergebnis der einzelnen Parteien bei der Landtagswahl am 13. März 2016.

Umfrage zur Landtagswahl 2021SWR, Stuttgarter Zeitung, Stand: 15.10.2020Grüne34,0 %CDU29,0 %AFD11,0 %SPD11,0 %FDP6,0 %Linke4,0 %Sonstige5,0 %

Erläuterungen zu den Umfragen vom 15. Oktober 2020

Würde am kommenden Sonntag der neue Landtag von Baden-Württemberg gewählt, kämen die Grünen auf 34 Prozent. Die CDU verliert im Vergleich zur Umfrage im April 1 Prozent und kommt auf 29 Prozent. Die AfD verliert einen Punkt und liegt bei 11 Prozent. Die SPD bleibt wie im April bei 11 Prozent, auch die FDP bleibt unverändert bei 6 Prozent. Die Linke legt um einen Punkt zu und kommt damit auf 4 Prozent, würde also nicht in den Landtag einziehen.

Rechnerisch wäre nach diesem Umfrageergebnis wieder eine grün-schwarze Koalition (Grüne und CDU) möglich. Auch eine Ampel-Koalition aus Grünen, FDP und SPD hätte eine Mehrheit im Stuttgarter Landtag. Mit der AfD möchte keine andere Partei koalieren.

Das Berliner Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hatte im Auftrag des SWR im Zeitraum vom 8. bis 13.Oktober 2020 1.001 Wahlberechtigte in Baden-Württemberg telefonisch befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kann sein Ansehen auch wegen seinem Krisenmanagement in der Corona-Pandemie im Vergleich zum April 2020 halten und bekommt im Oktober 2020 von 77 Prozent (-1) der Bürgerinnen und Bürgern hohe Zustimmungswerte für seine Arbeit. Er punktet nicht nur bei Wählerinnen und Wählern der Grünen, sondern auch bei Anhängern anderer Landtagsparteien. Selbst jeder dritte Anhänger der AfD ist zufrieden mit seiner Arbeit. Nur 19 Prozent (+3) sind mit seiner Arbeit weniger/gar nicht zufrieden. CDU-Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann überzeugt 24 Prozen der Befragten (-5), 38 Prozent (+12) sind weniger zufrieden mit ihrer Arbeit. Sie ist ein halbes Jahr vor der Landtagswahl immer noch vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht bekannt (40 Prozent).
Könnte der Ministerpräsident oder die Ministerpräsidentin direkt gewählt werden, käme Kretschmann auf 66 Prozent (-3) und Eisenmann auf 13 Prozent (+-0).

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Wie aussagekräftig sind Wahlumfragen?

Wahlprognosen und Trendaussagen im Vorfeld einer Wahl haben nur einen begrenzten Informationswert. Sie sind Momentaufnahmen und keine zuverlässigen Prognosen für den Wahltag. Die Wahlen in den vergangenen Jahrzehnten haben gezeigt, dass Umfragen nur selten den tatsächlichen Ergebnissen entsprochen haben. Nach Ansicht von Wahlforschern kommt es vor allem dann zu deutlichen Fehlprognosen, wenn ein großer Anteil der Wähler bis kurz vor der Wahl unentschlossen ist. Ein hoher Anteil an Wechselwählern kann Prognosen zusätzlich erschweren.

Wahlumfragen beruhen auf Umfragen, die unterschiedliche Institute unter Wahlberechtigten durchführen. Wahlumfragen sind Momentaufnahmen. Sie geben ein eingeschränktes Stimmungsbild zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder. Wie genau die Umfragen sind, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

  • Repräsentativität: Umfrageinstitute befragen in der Regel einige tausend Wahlberechtigte und versuchen daraus zu errechnen, wie die Gesamtzahl der Wahlberechtigten abstimmt. Dafür muss die Zusammensetzung der Befragten jedoch der Zusammensetzung der gesamten Wählerschaft entsprechen. Das bedeutet, dass Faktoren wie die Altersstruktur, die Geschlechterzusammensetzung, die politischen Präferenzen etc. in der Gruppe der Befragten mit der gesamten Wählerschaft übereinstimmen müssen. Weil Umfrageinstitute in der Regel kommerziell arbeiten, gehört es zu ihren Geschäftsgeheimnissen, wie sie versuchen, die Repräsentativität der Befragten zu ermitteln.
  • Parteibindungen: Jahrzehntelang spielten in der Bundesrepublik gewachsene Bindungen zwischen Wähler/-innen und Parteien eine große Rolle. Diese erleichterten auch die Vorhersage des Wahlverhaltens bestimmter Gruppen. In den letzten Jahren hat die Bedeutung der Parteibindungen jedoch abgenommen, es gibt mehr Wechselwähler/-innen als vorher – das erschwert Prognosen.
  • Ehrlichkeit: Prognosen werden auch dadurch erschwert, dass bei Umfragen nicht alle Befragten ihre wahren Parteipräferenzen angeben. Wenn Befragte beispielsweise den Eindruck haben, dass ihre Wahlpräferenzen sozial nicht erwünscht sind, geben sie möglicherweise keine ehrliche Antwort auf die Frage, wen sie wirklich wählen möchten. "Menschen, die glauben, dass sie die öffentliche Meinung gegen sich haben, geben nicht zu, wie sie wählen. Das merkten wir gerade bei der AfD", sagte beispielsweise der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter. (Quelle: Huffington Post)

Infratest dimap erklärt auf der Webseite zur Sonntagsfrage, dass Rückschlüsse auf den Wahlausgang nur bedingt möglich sind: "Nicht nur legen sich immer mehr Wähler kurzfristiger vor einer Wahl fest, auch hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen." (Quelle)

Ob die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen die Wähler beeinflussen kann, ist umstritten. So gehen manche Forscher davon aus, dass Wähler einer Partei entmutigt werden, wenn diese laut Prognosen an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern droht. Für das Wahlergebnis ist letztendlich nur das tatsächliche Abstimmungsverhalten der Wählerinnen und Wähler entscheidend.

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