Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
in Baden-Württemberg

Die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) ist die älteste und traditionsreichste Partei in Deutschland. Früher war die SPD eine klassische Arbeiterpartei. Bis heute gehört das Thema Soziale Gerechtigkeit zu ihrem Markenkern. Um gerechtere Verhältnisse zu schaffen, setzt die SPD auf Reformen. Forderungen nach tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen finden sich nicht in ihrem Programm.
In Baden-Württemberg war die Partei zuletzt von 2011 bis 2016 an der Regierung beteiligt. Bei den zurückliegenden Landtagswahlen sanken die Wahlergebnisse der Sozialdemokraten jedoch deutlich.
Kurz & knapp: Informationen zur Partei
- Die SPD Baden-Württemberg ist einer von 16 Landesverbänden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der ältesten Partei Deutschlands.
- Mit rund 30.800 Mitgliedern ist sie die zweitgrößte Partei im Land (Stand: Juni 2025). Seit November 2018 wird sie von Andreas Stoch als Landesvorsitzendem geführt.
- Im 18. Landtag (ab Mai 2026) sitzen 10 Abgeordnete der SPD.
- In der Geschichte Baden-Württembergs war die SPD immer wieder an Regierungskoalitionen beteiligt. Zuletzt trug sie von 2011 bis 2016 als Juniorpartnerin in einer grün-roten Koalition Regierungsverantwortung.
Welche Rolle spielt die SPD in Baden-Württemberg?
Zwischen 1952 und 2011 war die SPD in Baden-Württemberg unangefochten zweitstärkste Kraft hinter der CDU und regelmäßig Teil der Landesregierung – zuletzt von 2011 bis 2016 als Juniorpartner in einer Grün-Roten Koalition.
In den Landtagswahlen seit 2011 erhielten jedoch nicht nur die CDU, sondern auch die Grünen mehr Stimmen als die SPD. Zwar hatte die SPD in Baden-Württemberg seit jeher einen schweren Stand, doch führte erst das Erstarken der Grünen dazu, dass auch Wählerinnen und Wähler der linken Mitte deutlich seltener SPD wählen. Ihr bisher schlechtestes Ergebnis erzielte die Partei bei der Landtagswahl 2026, als sie mit 5,5 Prozent der Stimmen nur knapp den Einzug in den Landtag schaffte.
Warum tut sich die SPD in Baden-Württemberg so schwer?
Das strukturell konservativ geprägte Baden-Württemberg ist für die SPD kein einfaches Pflaster. Ein starkes Arbeitermilieu, das in anderen Bundesländern lange Zeit ein wichtiges Wähler:innenreservoir der Sozialdemokratie darstellte, gab es in Baden-Württemberg nie. Selbst die im industriellen Sektor beschäftigten Arbeiter:innen und Angestellten waren oftmals in einem ländlich-agrarischen Umfeld verwurzelt und gingen nicht selten einer Nebentätigkeit in der (konservativ geprägten) Landwirtschaft nach. Auch eine nennenswerte Bindung zwischen Sozialdemokratie und Protestantismus bildete sich im Südwesten nicht heraus.
Die Akademisierung der SPD seit den 1970er Jahren und der allmähliche Bedeutungsverlust der klassischen Arbeiterbewegung wirkten sich ebenfalls nicht zugunsten der Wahlergebnisse der Sozialdemokraten aus. Hatte die Partei bei den Wahlen zwischen 1952 und 1964 noch zwischen 20 und 33 der insgesamt 70 Direktmandate* geholt, sank deren Zahl bis 2011 kontinuierlich. Bei den vergangenen Wahlen 2016, 2021 und 2026 errang die SPD kein einziges Direktmandat mehr.
*bis 1956 gab es insgesamt 74 Mandate.
Welche Ziele hatte die SPD für die Landtagswahl 2026?
Nach den schon mageren 11 Prozent bei der Landtagswahl 2021 ging es für die SPD im Jahr 2026 darum, den Bedeutungsverlust ihrer Partei in Baden-Württemberg zu stoppen. Nach dem Abtritt des langjährigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wollte sie sich als echte Alternative für Wählerinnen und Wähler der linken Mitte profilieren. Spitzenkandidat war erneut der Landesvorsitzende Andreas Stoch. Allerdings fiel die Partei im Wahlkampf eher dem sich aufschaukelnden Zweikampf zwischen CDU und Grünen zum Opfer. Am Ende erzielte sie mit 5,5 Prozent der Zweitstimmen ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl und ist im neuen Landtag mit nur noch zehn Mandaten vertreten.
Landesvorsitzender der SPD
Andreas Stoch

Andreas Stoch (geb. 1969) ist in Heidenheim geboren und hat in Tübingen und Heidelberg Rechtswissenschaften studiert. Er war mehrere Jahre als Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Zivil- und Wirtschaftsrecht tätig. Stoch war zunächst bei den Jusos, seit 1990 dann in der SPD aktiv. Dem Landtag von Baden-Württemberg gehört er seit 2009 an. Von 2013 bis 2016 war Andreas Stoch Kultusminister von Baden-Württemberg. Von 2016 bis 2026 war er Fraktionsvorsitzender im Landtag, seit 2018 zudem Landesvorsitzender seiner Partei. Ab 2026 wird Generalsekretär Sascha Binder die SPD-Landtagsfraktion anführen.
Die SPD wählte Stoch auch zu ihrem Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026.
Zahlen und Fakten
Mitgliederzahlen
Die SPD Baden-Württemberg hat rund 30.800 Mitglieder.
Organisationsstruktur
Der Landesverband der SPD gliedert sich in 43 Kreisverbände, die wiederum in mehrere hundert Ortsvereine unterteilt sind. Zum Landesverband der SPD gehören 16 Arbeitsgemeinschaften, Netzwerke, Gesprächskreise und Foren sowie die Historische Kommission der SPD Baden-Württemberg.
Historische Entwicklung der Partei
Anfänge der Sozialdemokratie
In Baden und Württemberg zeigten sich bereits nach den Revolutionsjahren 1848/49 Bestrebungen zur Organisierung der Arbeiterschaft. Vorwiegend in den industrialisierten Städten entstanden Arbeitermilieus, deren Angehörige hauptsächlich in der Textilverarbeitung, Tabakindustrie oder im Maschinenbau arbeiteten. Mannheim, Stuttgart, Esslingen, Pforzheim oder Göppingen bildeten dementsprechend die Zentren der Bewegung. In einigen Städten konnten noch vor dem Erlass der Sozialistengesetze durch Bismarck im Jahr 1878 Sozialdemokraten in die Gemeinderäte einziehen.
Die Sozialistengesetze trieben die Arbeiterbewegung und viele Sozialdemokraten in die Illegalität oder ins Exil. Im deutschen Südwesten kam der Sozialdemokratie jedoch die im reichweiten Vergleich eher gemäßigte Handhabung der Sozialistengesetze durch die badischen und württembergischen Regierungen entgegen.
Eine Besonderheit der badischen Sozialdemokratie unter den Sozialistengesetzen stellt der Austausch von politischem Schriftgut über die Grenzen zur Schweiz – insbesondere in der Gegend von Lörrach – und zu Frankreich dar. Dieses risikoreiche Unternehmen ist unter dem Namen „rote Feldpost“ bekannt geworden. Es diente den Genossinnen und Genossen zur Verbreitung von politischem Gedankengut und Informationen.

Die Partei konnte sich trotz Bismarcks Restriktionen weiter konsolidieren und eine immer größere Anhängerschaft integrieren. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs professionalisierte sich die Struktur der Sozialdemokraten. Ihr Einfluss auf die Politik – besonders im kommunalen Bereich – stieg kontinuierlich. Im Jahr 1914 erreichte die SPD Mitgliederzahlen von 21.000 in Baden und 39.000 in Württemberg.
Anders als in anderen Staaten des Reiches zeigte sich die sozialdemokratische Arbeiterbewegung in Baden und Württemberg insgesamt eher gemäßigt und pragmatisch. Mit dem Motto „Evolution statt Revolution“ könnte man ihre Bestrebungen umschreiben, Deutschland zum Parlamentarismus und zu einer sozialen Demokratie zu entwickeln. Wenngleich revolutionäre Thesen auch im Süden diskutiert wurden, tendierten doch die meisten Anhänger – Wilhelm Kolb und Ludwig Frank waren beispielsweise in Baden die entschiedensten Vertreter – zu einer gemäßigten Position. Das zeigt sich am Willen, die Geschicke des Landes konstruktiv zu gestalten, und an der Kompromissbereitschaft, die man anderen Parteien entgegenbrachte. Im Jahr 1905 gingen die badischen Sozialdemokraten beispielsweise Wahlabsprachen mit den Linksliberalen und den Nationalliberalen ein (sogenannter „Großblock“). Auf Reichsebene wurde dieses Verhalten offen missbilligt.

Die SPD in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus
Nach dem Untergang der Monarchie spielte die SPD eine herausragende Rolle als Wegbereiterin der parlamentarischen Demokratie in Deutschland und im Südwesten. In Baden bildete sie die Mehrheit in der Volksregierung und veranlasste Wahlen zu einer Verfassunggebenden Nationalversammlung am 5. Januar 1919. Sie blieb bis ins Jahr 1932 ständig Regierungspartei in einer klassischen „Weimarer Koalition“ mit der linksliberalen DDP und der katholischen Zentrumspartei.
In Württemberg schieden die Sozialdemokraten 1920 nach einer Wahlniederlage aus der Regierung aus. Bis 1933 wurde sie, obwohl es bei manchen Wahlen rechnerisch gereicht hätte, von den anderen Parteien nicht an einer Regierung beteiligt.
Württemberg wurde von 1924 bis 1933 von einem Bündnis aus Zentrum und Rechtskonservativen regiert, teilweise unter Einschluss der DDP. Die südwestdeutsche Sozialdemokratie hatte, wie überall im Reich, während der Weimarer Jahre mit dem Erstarken des politischen Extremismus von linker und rechter Seite zu kämpfen.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren Sozialdemokraten und Kommunisten die ersten Verfolgten des neuen Regimes. Viele Vertreter der organisierten Arbeiterbewegung wurden in die südwestdeutschen Konzentrationslager Heuberg (bei Stetten am Kalten Markt), Oberer Kuhberg (Ulm), Gotteszell (Schwäbisch Gmünd), Ankenbuck (bei Donaueschingen) und Kislau (bei Bruchsal) verschleppt.
Anderen blieb nur die Flucht. Sie versuchten, wie zum Beispiel Erwin Schoettle, im erzwungenen Exil weiterhin die Kommunikation zu den Genossinnen und Genossen im Land aufrechtzuerhalten und den Widerstand zu organisieren. Im Innern riskierten nicht wenige ihr Leben, indem sie aktiven Widerstand leisteten. Am 22. Juni 1933 wurde die Sozialdemokratische Partei Deutschlands offiziell verboten.
Früher Wiederaufbau nach 1945
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann bereits im Sommer 1945 auf lokaler Ebene der Wiederaufbau der SPD. Im November 1945 wurde in Knittlingen die Gründung des SPD-Landesverbandes Württemberg-Baden beschlossen. 1946 erfolgte – nach schwierigen Auseinandersetzungen mit den französischen Besatzungsbehörden – die Gründung der Landesverbände (Süd-)Baden und Württemberg-Hohenzollern. Am 31. Dezember 1946 zählte die SPD in den drei Ländern zusammen schon wieder über 41.000 Mitglieder – nur etwa zehn Prozent weniger als vor der Zerstörung der Weimarer Republik in Baden und Württemberg zusammen.
Die SPD bildete in allen drei südwestdeutschen Ländern, vor allem aber in Württemberg-Baden, von Beginn an einen nicht zu umgehenden Machtfaktor. Während sie in Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern bis 1952 jeweils in Koalitionsregierungen unter Führung der FDP/DVP bzw. der CDU mitarbeitete, schied sie am 4. Februar 1948 aus der badischen Regierung unter Leo Wohleb aus und ging als Befürworterin des Zusammenschlusses der drei südwestdeutschen Länder zum neuen Bundesland Baden-Württemberg in die Opposition.
Beim Vereinigungsparteitag der SPD am 7./8. Juni 1952 in Stuttgart wurde ein einheitlicher Parteibezirk „Südwest“ gegründet. Da die Partei in Südbaden und Südwürttemberg-Hohenzollern weniger gut organisiert war, übernahm die SPD Württemberg-Baden die Führungsrolle. Erwin Schoettle wurde Vorsitzender des neuen Bezirks „Südwest“.
Zwar führt die Landes-SPD erst seit dem Parteitag 1962 in Mannheim die Bezeichnung „Landesverband“, de facto war jedoch der Bezirk „Südwest“ der erste Landesverband der Sozialdemokraten in einem Flächenstaat der Bundesrepublik, weil sich nun die Grenzen der Parteiorganisation mit denen des neuen Landes Baden-Württemberg deckten.
Einfluss der SPD seit den 1950er-Jahren bis heute
Trotz relativ geringer Mitgliederzahlen im Vergleich zu anderen Landesverbänden und Wahlergebnissen meist unter dem Bundesdurchschnitt war der Einfluss der baden-württembergischen SPD in der Bundespartei fast immer gegeben. Auffallend ist auch der Personalaustausch zwischen den beiden Ebenen Land und Bund.
In der ersten vorläufigen Landesregierung (1952–1953) von Reinhold Maier (FDP/DVP) koalierten die Sozialdemokraten mit der FDP/DVP und dem GB/BHE (Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten). Auch an den Regierungen von Gebhard Müller (CDU) und Kurt Georg Kiesinger (CDU) war die SPD beteiligt. Von 1960 bis 1966 war sie in der Opposition.
Von 1966 bis 1972, unter Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU), und von 1992 bis 1996 regierte die SPD gemeinsam in einer Großen Koalition mit der CDU (Ministerpräsident Erwin Teufel). Von 1972 bis 1992 und von 1996 bis 2011 führten die Sozialdemokraten die Opposition im Landtag an.
Nach der Landtagswahl 2011 gelang es der SPD, zusammen mit den Grünen und als kleinerer Regierungspartner eine grün-rote Regierung zu bilden. Nils Schmid wurde für die SPD Minister für Finanzen und Wirtschaft sowie Stellvertretender Ministerpräsident in der Regierung Kretschmann.
Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 wurde die SPD erneut in die Opposition verwiesen. Bei der Wahl 2026 kam sie schließlich nur noch auf 5,5 Prozent der Stimmen, ein historischer Tiefpunkt bei einer Landtagswahl.
Als eine der beiden großen tradierten Volksparteien steht die SPD unter Druck. Ihre Wahlergebnisse sind seit der Jahrtausendwende deutlich gesunken. Die Parteienforschung sieht dafür vor allem drei zentrale Gründe: Die Auflösung der klassischen Milieus, in deren Folge die SPD sich von einer Arbeiterpartei hin zu einer Akademikerpartei entwickelt habe; der hohe Altersdurchschnitt der Partei und ein damit verbundenes „veraltetes“ Selbstverständnis, weshalb man junge Menschen und deren Lebensgefühl nicht mehr ansprechen könne; schließlich das bis 2021 währende Dauerbündnis der alten Volksparteieien CDU/CSU und SPD auf Bundesebene, das ihre Unterschiede verwische und ihr Kernprofil unkenntlich mache.
Mit der Regierungsübernahme durch Bundeskanzler Olaf Scholz im Jahr 2021 zeichneten sich auf Bundesebene kurzfristig bessere Umfragewerte für die SPD ab, die auch bei einigen Landtagswahlen positive Ergebnisse brachten. Doch bei den vorgezogenen Bundestagswahlen im Februar 2025 erzielte die SPD im Bund ein historisch schlechtes Ergebnis. Auch wenn sie anschließend an der Seite der Union erneut in die Bundesregierung eintrat, konnte die Partei dieses Tief nicht nachhaltig hinter sich lassen.
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Autor: Internetredaktion LpB BW | letzte Aktualisierung: März 2026