Wahlprogramm der Grünen
zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg

„Stabil in bewegten Zeiten. Baden-Württemberg kann es“ nennen die Grünen ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl 2026. Beschlossen hat es die Landesdelegiertenkonferenz vom 12.-14. Dezember 2025 in Ludwigsburg.
Der Titel soll wohl ausdrücken, dass die Grünen auch nach der Landtagswahl die Regierung anführen wollen, wie sie es schon die vergangenen 15 Jahre getan haben. Entsprechend steht zu Beginn des 87 Seiten langen Dokuments ein ausführliches Vorwort des „Ministerpräsidenten-Kandidaten“ Cem Özdemir.
Inhaltlich spielen die Themen Wirtschaft, Klima und Bildung eine große Rolle in dem Wahlprogramm.

Landtags-Wahlprogramm „Stabil in bewegten Zeiten“
zum Wahlprogramm auf der Webseite der Grünen (PDF)
Informationen der Grünen zur Landtagswahl in Leichter Sprache
Webseite: gruene-bw.de
Im Folgenden stellen wir die Aussagen des Programms nach Themen gegliedert vor.
Wirtschaft
Wirtschaft

Fokus auf Innovation, GreenTech und Zukunftstechnologien
Die Grünen fordern eine Agenda für Innovation und Wachstum. In allen „entscheidenden Zukunftsfeldern“ soll Baden-Württemberg die Technologieführerschaft anstreben. Die Verbindung von Ökologie und Ökonomie betrachten sie als Schlüssel, um Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch voneinander zu entkoppeln.
Gründungen, Mittelstand und nachhaltige Wertschöpfung vor Ort
Den Mittelstand bezeichnen die Grünen als „Herz der Wirtschaft“ und versprechen Bürokratieabbau, Digitalisierung und beschleunigte Genehmigungen. Die Gemeinwohl-Ökonomie sowie genossenschaftliche Unternehmensformen (u. a. im Handwerk, in Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie Pflege) sollen gestärkt werden.
Spitzenplatz in der E-Mobilität wird angestrebt. Potenziale entlang der Baterriewertschöpfungskette nutzen
Die Grünen bezeichnen die Automobilwirtschaft als „Grundpfeiler des Wohlstands“ und möchten, dass dies auch so bleibt. Dies könne nur gelingen, wenn die Transformation zur Elektromobilität gelinge. Das Ziel: Baden-Württemberg soll die Technologieführerschaft bei der E-Mobilität erlangen.
Land- und Forstwirtschaft soll nachhaltiger werden
Die Landwirtschaft möchten die Grünen nachhaltig gestalten und verweisen auf die Verdopplung des Ökolandbaus seit 2011 und eine kontinuierliche Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln unter ihrer Regierungsverantwortung. Bis 2030 möchten sie den Einsatz von Pestiziden um 40 bis 50 Prozent reduzieren. Ökolandbau soll auf 30 bis 40 Prozent der Flächen umgesetzt werden.
Arbeit

Weiterentwicklung des Landestariftreue- und Mindestlohngesetzes. Qualifizierung und Teilhabe gegen Arbeitslosigkeit
In ihrem Wahlprogramm sprechen sich die Grünen für faire Arbeitsbedingungen aus und denken an neue Formen von Arbeit. Das Landestariftreue- und Mindestlohngesetz möchten sie weiterentwickeln und um regionale Tarifverträge erweitern. Zugleich warnen sie vor einem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen.
Soziales
Gesundheit

Mehr Prävention, mehr Hausärzte und bessere Hebammenversorgung
Gesundheit wollen die Grünen „in allen Politikfeldern“ mitdenken. Das Leitmotiv laute „digital und präventiv vor ambulant, ambulant vor stationär“. Der Öffentliche Gesundheitsdienst solle zum „Motor für Gesundheitsplanung, Prävention und Gesundheitsförderung“ werden. Um Prävention von Beginn an zu stärken, sollen Schulgesundheitsfachkräfte an weiteren Schulen erprobt werden.
Unterstützung für Gesundheitswirtschaft geplant
Gesundheit ist aus Sicht der Grünen auch wirtschaftlich ein Faktor. So sei die Gesundheitswirtschaft laut Wahlprogramm „eine tragende Säule unserer Wirtschaft geworden“. Um diese zu stärken, soll die Innovationsagentur „BIOPRO“ zur „Schrittmacherin des gesamten Life-Sciences-Bereichs“ werden. Der Innovationscampus „Health and Life Science Alliance“ an den Uniklinika Heidelberg und Mannheim solle „zum deutschen Spitzenreiter und internationalen Leuchtturm der Medizinforschung“ entwickelt werden.
„Pakt der Pflege“ soll Betroffene und Angehörige unterstützen
Die Grünen kündigen einen „Pakt der Pflege für Baden-Württemberg an“, für eine bessere Versorgung vor Ort. Zur Unterstützung für pflegende Angehörige wollen die Grünen „wohnortnahe Pflege, niederschwellige Unterstützungsangebote und bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte“. Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflege sowie die ambulante Versorgung sollen mit einem „Innovationsprogramm“ weiterentwickelt werden.
Wohnen

Land soll selbst Wohnungen bauen, „klimaresiliente Stadtentwicklung“
Die Wohnraumpolitik der Grünen setze „nicht nur auf Neubau“, heißt es im Wahlprogramm, „sondern auf einen wirksamen Mieterschutz, auf die kluge Umnutzung bestehender Gebäude, auf bezahlbare Standards beim Bau, auf gemeinschaftliche und inklusive Wohnformen bis hin zum Wohnungstausch“.
Mehr Sozialwohnungen, mehr Rechte für Mieter:innen
Die Zahl von aktuell 3.000 neuen Sozialwohnungen im Jahr wollen die Grünen auf „mindestens 5.000“ erhöhen und dafür die Fördermittel aufstocken. Außerdem will die Partei die Sozialbindung für Unternehmen „attraktiver“ machen. Sozialwohnungen sollen zudem, „wo dies technisch sinnvoll ist“, Stecker-Solaranlagen erhalten. Auch Mieterinnen und Mieter sollen „in den Genuss von günstiger Sonnenergie kommen“, wie es im Wahlprogramm heißt.
Unterstützung bei Erwerb von Wohneigentum und einfacheres Bauen geplant
Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen wollen die Grünen beim Erwerb von Wohneigentum unterstützen. Sie sollen „sozial gestaffelte“ und „ökologisch wirksame“ Förderprogramme in Anspruch nehmen können. Auch das Staffeln bzw. Senken der Grunderwerbssteuer wollen die Grünen prüfen. Die Grünen kündigen „einen neuen Baden-Württemberg-Standard für bezahlbares Bauen und Umbauen“ an. Damit gemeint seien „bedarfsgerechtere Standards, effizientere Planungs- und Managementprozesse sowie schnellere Genehmigungen“, die Partei verspricht sich „Einsparungen bis zu 2.000 Euro brutto pro Quadratmeter“.
Familie

„Echte Wahlfreiheit“ für Familien geplant und mehr Schutz für Kinder
Ihr Ziel sei „eine kinder- und familienfreundliche Gesellschaft“, erklären die Grünen. Bei der Wahl ihres Lebens- und Arbeitsmodells bräuchten Familien „echte Wahlfreiheit“, denn Familie sei „dort, wo Menschen füreinander da sind, wo Kinder groß werden und Werte über Generationen weitergegeben werden“. Dafür will die Partei Kinder- und Familienzentren mit Beratungsangeboten ausbauen. Sie will zudem „niedrigschwellige Elternberatungsangebote in Kitas“ prüfen.
Bildung & Forschung
Bildung

Sozial gestaffelte Gebühren und ein verpflichtendes, kostenfreies letztes Kita-Jahr
Alle Kinder sollen mit den besten Startchancen ins Leben gehen, finden die Grünen. Weil hohe Kita-Gebühren jedoch für immer mehr Menschen ein Problem seien, sollen sozial gestaffelte Beiträge für mehr Gerechtigkeit sorgen. Langfristiges Ziel der Grünen ist die vollständig gebührenfreie Kita. Über zusätzliche Landesmittel möchten die Grünen kurzfristig dazu beitragen, weitere Beitragserhöhungen zu begrenzen.
Gemeinschaftsschulen, Bildungschancen und Ganztagsbetreuung
Das Wahlprogramm der Grünen enthält ein Bekenntnis zur Gemeinschaftsschule. Ziel sei ein möglichst flächendeckendes Angebot gymnasialer Oberstufen an Gemeinschaftsschulen. Die Grünen bemängeln, dass Bildungschancen zu sehr von der sozialen Herkunft abhängen und formulieren den Anspruch, dass alle Kinder und Jugendlichen kontinuierlich und bedarfsgerecht auf ihrem Bildungsweg begleitet werden.
Mehr Berufsorientierung. Mehr Demokratie-, Medien- und Finanzbildung
Neben den „Querschnittsthemen“ Medienbildung und Informatik setzen sich die Grünen für eine Stärkung von KI-, Demokratie- und Finanzbildung ein. Auch Bildung für nachhaltige Entwicklung und insbesondere die Aspekte der gegenseitigen Achtung, Wertschätzung und Respekt möchten sie stärken.
Studium & Wissenschaft

Mehr Mittel für Studierendenwerke und Ausweitung der studentischen Mitspracherechte
Ein Studium dürfe nicht am Geldbeutel scheitern, erklären die Grünen und kündigen an, die Landeszuschüsse für Studierendenwerke erhöhen zu wollen. Dies soll mehr preiswerten Wohnraum, sowie günstige Mensamahlzeiten und zusätzliche Angebote für studentisches Leben ermöglichen.
Forschung: Schlüsseltechnologien und Wissenstransfer in die Praxis stärken
Die Grünen möchten, dass Ideen aus der Forschung schneller auf den Markt oder in die Anwendung gebracht werden. Hierbei denken sie insbesondere an „Schlüsseltechnologien wie KI, Quantentechnologie, Materialwissenschaften oder Luft- und Raumfahrt.
Mobilität und Ländlicher Raum
Mobilität

E-Mobilität fördern und autonom fahrende Shuttles
Die Grünen formulieren als Vision „ein Baden-Württemberg, in dem Mobilität für alle funktioniert – zuverlässig, barrierefrei, bezahlbar, klimafreundlich“. Sie hätten die verschiedenen Verkehrsmittel im Blick und „in den nächsten fünf Jahren noch mehr vor“, heißt es im Wahlprogramm. Ein Fokus seien die Interessen von Kindern und Jugendlichen, Menschen mit Behinderung und Senior:innen.
„Sichere und attraktive“ Wege für Radfahrer und Fußgänger – „Vision Zero“ als Ziel
Ein politisches Leitbild bleibe die „Vision Zero“, so das Wahlprogramm, also dass es keine Verkehrstoten mehr gibt und deutlich weniger Verletzte. Baden-Württemberg habe da bereits „starke Schritte in der Präventionsarbeit“ gesetzt, erklären die Grünen. Das Ziel erreichen wollen sie „dank geringerer Geschwindigkeit, sicherer Überwege, fußgänger- und fahrradfreundlicher Ampelschaltungen“. Zu-Fuß-Gehen und Radfahren wollen die Grünen „sicher und attraktiv“ machen, mit kindgerechten und barrierefreien Fuß- und Radwegen, und die Fußverkehrschecks fortführen.
ÖPNV: Mehr Busse, autonome Shuttles, mehr Schienenverkehr
Bahn- und Busfahren sei „so günstig und einfach wie nie zuvor“, schreiben die Grünen. Sie wollten auch in Zukunft für bezahlbare Tarife „kämpfen“. Dabei gehe es ihnen nicht nur um Klimaschutz und weniger Autoverkehr, sondern auch um „soziale Gerechtigkeit und Teilhabe“. So solle das Angebot in ländlichen Räumen ausgebaut werden und die Fahrgastzahl im Jahr 2030 doppelt so hoch liegen wie 2011. In ländlichen Räumen solle dann alle 30 Minuten ein öffentliches Verkehrsmittel fahren – Linienverkehr oder On-Demand –, in Ballungsräumen alle 15 Minuten.
Infrastruktur

Mit „Booster“, „Task Force“ und „Fast Track“ für schnellere Modernisierung
Erhalt und Erneuerung der Infrastruktur bezeichnen die Grünen als „eine unserer größten Aufgaben“. Der Bund habe die Länder „viele Jahrzehnte allein gelassen“. Nun kündigen sie einen „Infrastruktur-Booster“ an, mit Fokus auf Mobilität, Transport, Digitalisierung und Energie. „Wir werden den Breitbandausbau auf ein neues Level heben und wir werden eine verlässliche, saubere und bezahlbare Energieversorgung gewährleisten“, verspricht das Wahlprogramm.
Mehr Güter über Schienen, bessere Infrastruktur für elektrische Lkw
„Die Diskussion um alternative Antriebe im Schwerlastverkehr ist entschieden“, finden die Grünen: Auf der Straße habe sich der batterieelektrische Lkw „als Schlüsseltechnologie für den klimafreundlichen Güterverkehr“ durchgesetzt. Die Partei will die Ladeinfrastruktur ausbauen und „ein Basisladenetz mit öffentlicher Ladeinfrastruktur für Lkw“ schaffen. Wasserstoffantriebe „für spezielle Einsatzfelder mit hohen Anforderungen“ sollen ergänzen.
Ländlicher Raum

Mobilitätsgarantie und digitale Lösungen für gleichwertige Lebensverhältnisse
„Ein gutes Leben darf keine Frage der Postleitzahl sein“, finden die Grünen. Lebendige ländliche Räume seien „ein Garant für den Erfolg unseres Landes“. Mobilität etwa müsse auf dem Land wie in der Stadt „alltagstauglich, klimafreundlich, barrierefrei und bezahlbar sein“. Den ländlichen Raum wollen sie „mit Bus und Bahn“ einbinden – das Ziel: Mindestens alle 30 Minuten soll in ländlichen Räumen ein öffentliches Verkehrsmittel fahren. Weil aber „nicht immer aufs Auto verzichtet werden“ könne, wollen die Grünen die gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen und die Ladeinfrastruktur für E-Autos fördern.
Energie und Klima
Energie

Grüne wollen Strom „billiger machen“, Ausbau von Windkraft und Photovoltaik
Das Thema Energie nimmt viel Raum ein im Grünen-Wahlprogramm. So heißt es: „Wir wollen Strom billiger machen. Neben den erneuerbaren Energien sind der Netzausbau und die Flexibilisierung der Netze und des Stromverbrauchs hierfür von enormer Bedeutung.“ Als Ziele der Energieversorgung nennt das Wahlprogramm „klimaneutral, verlässlich und bezahlbar“. Die Stromsteuer solle auf das europäische Mindestmaß gesenkt werden.
Wasserstoff als „Schlüssel“, Absage an Gas, Öl und Atomkraft
Wasserstoff begreifen die Grünen als „Schlüssel für die Dekarbonisierung von Prozessen und Industriezweigen, die schwer zu elektrifizieren sind“. Er könne ein Backup für die Energieversorgung sein. Die Grünen verweisen auf die „Wasserstoff-Roadmap BW“, die Baden-Württemberg „zu einer Modellregion für grünen Wasserstoff“ mache. Die Netzbetreiber sollen demnach „den geordneten Ausstieg aus fossilem Erdgas“ planen. Gasverteilnetze und Gasübertragungsnetze will die Partei auf grünen Wasserstoff umstellen oder auslaufen lassen.
Wärmeplanung und Geothermie sollen ausgebaut werden
Mit der kommunalen Wärmeplanung habe Baden-Württemberg „bundesweit Maßstäbe gesetzt“, finden die Grünen. In den kommenden Jahren sollen weitere 65 Millionen Euro in den Bereich fließen. Künftig wollen die Grünen verstärkt „gemeinnützige Wärmegemeinschaften unterstützen, kommunale Wärmebeiräte etablieren“ und die Gebäudesanierung ausbauen. Die „intelligente Nutzung von Abwärme aus Industrie und Rechenzentren“ will die Partei „deutlich ausbauen“, um Energieverbrauch und Kosten zu senken.
Klima

Emissionen einsparen statt abfangen
Klimaneutralität 2040 – das haben als Partner in der Regierungskoalition beschlossen und daran halten sie auch in ihrem Wahlprogramm fest. Ziel sei eine „nachhaltige und gerechte Transformation“. Auch die verbindlichen Sektorziele für die einzelnen Bereiche sollen nach dem Willen der Grünen bleiben. Baden-Württemberg sei „Vorreiter“, etwa mit dem Plan für eine klimaneutrale Landesverwaltung, dem CO2-Schattenpreis bei Bau und Beschaffungen oder der Photovoltaik-Pflicht für Neubauten und Dachsanierungen.
Klimaschutz als Querschnitts- und Pflichtaufgabe
Die Grünen wollen den Klimaschutz als „Querschnittsaufgabe“ im Landesentwicklungsplan verankern. So sollen natürliche Kohlenstoffsenken wie Moore oder Wälder „konsequent erhalten“ werden. Für Kommunen soll er „Pflichtaufgabe“ werden – dadurch sollen sie „vergünstigte Kredite bei Investitionen in eine nachhaltige Energie- und Wärmeversorgung bekommen“ können.
Umwelt

Fokus auf Wasserschutz und größeren Biotopverbund
Baden-Württemberg sei „das Land ökologischer Vielfalt“, so die Grünen. Diese Vielfalt sei „unsere Lebensgrundlage“ – doch sei sie bedroht „durch die Biodiversitäts- und Klimakrise“. „Mit aller Kraft“ wollen die Grünen laut Wahlprogramm „unser schönes Baden-Württemberg“ schützen. Sie kündigen eine Reihe von Maßnahmen an.
Grüne wollen Wälder „fit für die Zukunft“ machen und weniger Luftverschmutzung
„Wir machen unsere Wälder fit für die Zukunft – klimaresilient, artenreich und multifunktional“, heißt es im Grünen-Wahlprogramm. Der öffentliche Wald habe beim Waldumbau Vorbildfunktion, im Privatwald werde „durch Beratung und Förderung“ unterstützt. Die Holzbauoffensive wollen die Grünen fortführen.
Innen- & Sicherheitspolitik
Inneres

Entlastungen für Polizei geplant, Fokus auf organisierte Kriminalität
Die Grünen wollen sich dafür einsetzen, „dass die Polizei gut ausgebildet, modern ausgestattet und personell stark aufgestellt ist“. Bei der Büroarbeit sollen die Beamtinnen und Beamten entlastet werden, für „kürzere Reaktionszeiten und mehr Zeit für den Einsatz vor Ort“. In der Besoldung sollen Polizistinnen und Polizisten „echte Wertschätzung“ erfahren. Zudem wollen die Grünen „moderne, durchlässige Strukturen“, um den Beruf attraktiver zu machen. Per Rotationssystem für sogenannte „Brennpunktreviere“ sollen die Polizistinnen und Polizisten vor Überlastungen geschützt werden.
Rechtsextremismus als „größte Gefahr für Demokratie“, Kampf gegen Islamismus
Den Rechtsextremismus bezeichnen die Grünen als „die größte Gefahr für unsere Demokratie“. Man müsse „die reale Gefahr, die von ihm ausgeht, als zentrale Bedrohung verstehen und entsprechend handeln“. Damit meint die Partei das Entwaffnen der rechtsextremen Szene, das Zerschlagen rechtsextremer Strukturen und das Benennen und Unterbinden rechtsextremer Propaganda.
Bevölkerungsschutz

Klimamilliarde für Kommunen und stärkeres Rettungswesen geplant
Zum Schutz vor Folgen des Klimawandels wie Hitze und Wassermangel wollen die Grünen „den klimaresilienten Umbau unserer Dörfer und Städte“ fördern. Klimaanpassung werde „zur selbstverständlichen Voraussetzung guter Stadtentwicklung“. So wollen sie im Landeshaushalt zehn Jahre lang eine „Klimamilliarde“ verankern, die Kommunen für Anpassungen an den Klimawandel nutzen können, etwa für Hochwasserschutz oder Wasserversorgung.
Justiz

Grüne kündigen „Rechtsstaatspakt“ an, planen Regelabfrage beim Verfassungsschutz
Einen funktionierenden Rechtsstaat bezeichnen die Grünen als „Fundament unserer offenen Gesellschaft“ und kündigen einen „Rechtsstaatspakt“ an. Gerichte und Staatsanwaltschaften will die Partei „personell, technisch und organisatorisch besser ausstatten“. Damit meinen die Grünen etwa „eine attraktive Besoldung“ schon zum Berufseinstieg, „moderne Arbeitsstrukturen“ und eine stärkere Nachwuchsgewinnung. „Kluge KI-Lösungen“ sollen bei der Digitalisierung unterstützen. Alle Entscheidungen baden-württembergischer Gerichte sollen anonymisiert veröffentlicht werden.
Steuern und Finanzen
Finanzen

Grüne wollen mehr privates Kapital für Infrastruktur-Vorhaben
Finanziell stehe Baden-Württemberg „vergleichsweise gut da“, finden die Grünen – die Partei führt seit 2016 das Finanzministerium. Man habe bewiesen, dass „grüne Investitionen schwarze Zahlen schreiben“. Zwar sind auch die Grünen „offen für eine Reform der Schuldenbremse“, finden es aber dennoch richtig, die Schuldenquote zu begrenzen, wenn diese „klug umgesetzt“ werde. „Solide Finanzen dürfen nicht im Widerspruch zu Investitionen stehen“, heißt es dazu.
Steuern

Staffelung bei Grunderwerbsteuer und mehr Geld für Kommunen
Die Grünen wollen Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen dabei unterstützen, Wohneigentum zu erwerben – zum Beispiel über eine Staffelung bei der Grunderwerbsteuer. Außerdem ist im Wahlprogramm die Rede davon, diese Steuer beim Ersterwerb einer Immobilie „gezielt“ zu senken, „sobald der Bundesgesetzgeber dies ermöglicht“. Die Stromsteuer soll auf das europäische Mindestmaß gesenkt werden. Außerdem will sich die Partei im Bund dafür einsetzen, dass „Gerechtigkeitslücken bei der Erbschaftsteuer“ geschlossen werden.
Bevölkerung
Migration

Grüne betonen Recht auf Asyl und beschreiben Baden-Württemberg als starkes Einwanderungsland. Straftäter:innen sollen abgeschoben werden
Die Grünen charakterisieren Baden-Württemberg als starkes Einwanderungsland und betonen die Chancen durch zugewandertes Wissen, Tatkraft und neue Perspektiven. Einwanderung mache das Land innovativer, vielfältiger und zukunftsorientierter. Zugleich bekennen sich die Grünen zum Grundrecht auf Asyl und zur Genfer Flüchtlingskonvention.
Integration

Fokus auf Sprachförderung
Integration sei keine Einbahnstraße, betonen die Grünen, und fordern eine Integration mit Weitblick. Sie benennen vier zentrale Säulen: Sprache, Arbeit, Teilhabe und die Anerkennung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Einen besonderen Schwerpunkt legt das Wahlprogramm auf Sprachkenntnisse.
Demografie

Demografischer Wandel als Querschnittsaufgabe. Vielfalt als Stärke
Den demografischen Wandel betrachten die Grünen als Querschnittsthema, das zahlreiche Politikfelder durchzieht und tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehe: Der Renteneintritt der Babyboomer habe zur Folge, dass in den kommenden Jahren deutlich weniger Erwerbstätige immer mehr Aufgaben schultern müssten. Dem begegnen die Grünen mit einer breiten Fachkräfte- und Gleichstellungsstrategie, die unter anderem auf eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie auf die bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf setzt.
Demokratie & Gesellschaft
Demokratie

Landesweites Jugendgremium soll Teilhabe junger Menschen stärken
Die demokratische Teilhabe junger Menschen soll nach dem Willen der Grünen gestärkt werden. Erreicht werden soll dies über die Einrichtung eines landesweiten Jugendgremiums, das Jugendliche in politische Entscheidungen einbezieht.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sollen die Verwaltung bürgernäher machen
Die Grünen wünschen sich eine leistungsfähige, bürgernahe Verwaltung mit einer gelebten „Ermöglichungskultur“. Bürger:innen sollen ihre Anliegen unkompliziert und digital erledigen können. Nicht-digitale Zugangswege sollen aber bestehen bleiben.
Unterstützung für ein AfD-Parteiverbotsverfahren
Die Grünen bezeichnen den Rechtsextremismus als größte Gefahr für die Demokratie. Die rechtsextreme Szene müsse entwaffnet, rechtsextreme Strukturen zerschlagen und rechtsextreme Propaganda klar benannt werden. Dies gelte analog wie online. In ihrem Programm sprechen sich die Grünen für ein AfD-Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht aus.
Stärkung des regionalen Journalismus und Medienbildung für alle Altersklassen
Den regionalen Journalismus möchten die Grünen stärken. Die gegenwärtige TV-Förderung soll in eine Journalismusförderung überführt werden.
Gesellschaft

Etablierung eines „neuen Wir“: Mehr Schutz und Teilhabe für Frauen und queere Menschen
Alle Menschen sollen nach ihren eigenen Lebensentwürfen lieben, glauben und hoffen dürfen – in Respekt und Rücksichtnahme füreinander. Denn Freiheit bedeute auch Verantwortung, so die Grünen, die zugleich dafür werben, das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu rücken.
Stärkung des Ehrenamts
Baden-Württemberg ist Ehrenamtsland und soll es auch bleiben, sagen die Grünen und verweisen auf Errungenschaften wie die Ehrenamtskarte oder die Landesförderung für das Freiwillige Soziale Jahr. Ziel müsse es sein, noch mehr Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Eine Enquete-Kommission soll Lösungen erarbeiten, wie sich das Ehrenamt besser mit Berufs- und Familienleben vereinbaren lässt.
Kultur

Erhaltund Förderung von Kulturangeboten. Von der Hochkultur bis zur Clubszene
Die Grünen unterstreichen die Bedeutung von Kultur als Orte und Anlässe der Begegnung und des Aufbruchs. Ob Theater, Oper, Vereine, Trachtengruppen, Brauchtum oder Nacht- und Clubkultur: Kultur soll erhalten und gefördert werden.
Land soll Kommunen bei Investitionen für nachhaltige Kulturinfrastruktur unterstützen
Da die Kosten für Kultur zu nicht unbeträchtlichen Teilen von den Kommunen getragen werden, sprechen sich die Grünen für Landeszuschüsse und eine Überprüfung des Finanzierungsschlüssels aus. Für Kunst- und Kulturgebäude fordern sie eine Sanierungsoffensive.








