Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU)
in Baden-Württemberg

Die CDU (Christlich Demokratische Union) gehört zur christlich-konservativen Parteienfamilie. Gesellschaftspolitisch vertritt die CDU traditionell konservative Positionen, während sie in ökonomischen Fragen gemeinhin einen wirtschaftsliberalen Kurs verfolgt.
Jahrzehntelang war die CDU die stärkste Partei in Baden-Württemberg. Von 1953 bis 2011 stellte sie durchgehend den Ministerpräsidenten. Mit dem Wahlsieg von Grün-Rot bei der Landtagswahl 2011 wurde die CDU – obwohl weiterhin stärkste Partei – nach 58 Jahren auf die Oppositionsbank verwiesen. Seit 2016 regiert sie in einer grün-schwarzen Koalition als Juniopartnerin wieder mit.
Kurz & knapp: Informationen zur Partei
- Die CDU in Baden-Württemberg ist mit rund 53.000 Mitgliedern (Stand: Juni 2025) einer der größten der 16 Landesverbände der Christlich Demokratischen Union Deutschlands.
- Der Landesverband gliedert sich in vier Bezirksverbände: Nordbaden, Südbaden, Nordwürttemberg und Württemberg-Hohenzollern.
- Landesvorsitzender der CDU Baden-Württemberg ist Manuel Hagel.
- Im 18. Landtag (ab Mai 2026) ist die CDU mit 56 Mandaten vertreten. Ihre Fraktion ist damit genauso groß wie die der Grünen, auch wenn die CDU bei der Landtagswahl 2026 rund 27.000 Stimmen weniger erhalten hatte.
- Zwischen 1953 und 2011 hat die CDU Baden-Württemberg mit insgesamt sieben Ministerpräsidenten immer den Regierungschef im Land gestellt. Seit 2016 regiert sie in einer Koalition mit den Grünen und stellt mit Thomas Strobl den Stellvertretenden Ministerpräsidenten.
Welche Rolle spielt die CDU in Baden-Württemberg?
Als konservative Volkspartei war die CDU in Baden-Württemberg über Jahrzehnte hinweg die prägende politische Kraft. Seit der ersten Landtagswahl 1952 bis 2016 war sie im Landtag die stärkste Fraktion und stellte von 1953 bis 2011 alle Ministerpräsidenten. Zwischen 1972 und 1992 regierte sie sogar mit absoluter Mehrheit.
2011 wurde die CDU zwar noch einmal stärkste Kraft, musste jedoch erstmals in die Opposition, da Grüne und SPD gemeinsam eine Mehrheit hatten. Seit 2016 ist die CDU wieder an der Regierung beteiligt – allerdings nur noch als Juniorpartner der Grünen. Bei den Landtagswahlen 2016, 2021 und 2026 wurde sie jeweils hinter den Grünen zweitstärkste Partei, wenn auch 2026 nur äußerst knapp (CDU: 29,7 Prozent, Grüne: 30,2 Prozent).
Faktoren für die Stärke der CDU in Baden-Württemberg
Über viele Jahrzehnte konnte die CDU in Baden-Württemberg auf eine breite, stabile Wählerbasis zählen. Maßgeblich für ihre Stärke waren dabei vor allem die starke Verankerung im ländlichen Raum, die Unterstützung durch kirchlich gebundene Menschen sowie der Rückhalt bei Beschäftigten in der Industrie, die zugleich häufig in ländlich-agrarischen Strukturen verwurzelt waren.
Diese Faktoren machten die CDU für mehr als 50 Jahre nahezu unangefochten zur Nummer eins. Doch mit den Landtagswahlen 2016 und 2021 gelang es den Grünen, die CDU-Dominanz zu brechen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann überzeugte viele konservative und frühere CDU-Wähler mit einem für Grünen-Verhältnisse konservativ anmutenden Kurs.
Das Erstarken der Grünen stellt die CDU vor eine Herausforderung. Mit den Grünen konkurriert sie um Wählerinnen und Wähler der Mitte sowie um gemäßigte Konservative. Zugleich möchte die CDU weiter rechts stehende Wählerinnen und Wähler nicht an die AfD verlieren. Wahlergebnisse jenseits der 40 Prozent dürften der Vergangenheit angehören. Trotzdem existiert in Baden-Württemberg weiterhin ein großes konservatives Wähler:innenpotenzial, sodass die CDU auch in Zukunft auf starke Ergebnisse hoffen kann.
Welche Ziele hatte die CDU für die Landtagswahl 2026?
Aus dem Selbstverständnis der CDU ergab sich für die Landtagswahl 2026 eine klare Zielsetzung: Sie wollte wieder stärkste Kraft werden und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten stellen.
Bei den vorangegangenen Wahlen in den Jahren 2016 und 2021 hatten die CDU-Spitzenkandidierenden Guido Wolf bzw. Susanne Eisenmann den Beliebtheitswerten von Winfried Kretschmann wenig entgegenzusetzen. Da dieser nach 15 Jahren im Amt nicht erneut kandidierte, wurden die politischen Karten 2026 neu gemischt. Zusätzliche Hoffnung machte der CDU, dass sie in Person von Manuel Hagel über einen jungen, unverbrauchten und machtbewussten Spitzenkandidaten verfügte. Doch auch wenn die CDU in den Umfragen über Monate zum Teil deutlich vor den Grünen lag, konnte sie die Wahl nicht gewinnen: Rund 27.000 Stimmen fehlten ihr am Ende auf die Grünen und deren bekannten und beliebten Spitzenkandidaten Cem Özdemir.
Landesvorsitzender der CDU
Manuel Hagel

Manuel Hagel (geb. 1988) ist in Ehingen an der Donau geboren. Er hat eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und war von 2014 bis 2016 Direktor einer Bankfilialie. 2016 zog er für den Wahlkreis Ehingen in den Landtag von Baden-Württemberg ein und wurde im selben Jahr Generalsekretär der Landes-CDU. Nach seinem erneuten Landtags-Einzug 2021 wurde er Fraktionschef, im Jahr 2023 wählte ihn die CDU Baden-Württemberg zum Landeschef.
Hagel war auch Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl 2026.
Zahlen und Fakten
Mitgliederzahlen
Die CDU in Baden-Württemberg hat rund 53.000 Mitglieder (Stand: Juni 2025, Quelle: SWR).
Organisationsstruktur
Der CDU-Landesverband gliedert sich in vier Bezirksverbände – Nordbaden, Südbaden, Nordwürttemberg und Württemberg-Hohenzollern (für die Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen). Diese umfassen wiederum 41 Kreisverbände und über 800 Stadt-, Gemeinde- und Ortsverbände.
Der Landesparteitag ist das oberste Gremium des CDU-Landesverbandes. Er wählt die Mitglieder des Präsidiums und des Landesvorstandes sowie die Mitglieder des Landesparteigerichts. Der Landesvorstand ist das Führungsgremium der Partei.
Mehr als 20Landesfachausschüsse (LFA), Kommissionen, Arbeitskreise und Netzwerke auf Landesebene arbeiten dem Landesverband zu. Darüber hinaus gibt es innerhalb der CDU 13 Vereinigungen und Sonderorganisationen, die in enger Bindung zur Partei stehen.
Historische Entwicklung der Partei
Parteigründungen auf regionaler Ebene nach 1945
Im Jahr 2021 feierte die CDU in Baden-Württemberg ihr 75-jähriges Bestehen, auch wenn sie bedingt durch die ehemaligen Besatzungszonen zunächst in den vier eigenständigen Landesverbänden Nordwürttemberg, Südwürttemberg, Nordbaden und Südbaden entstanden war.
Führungspersonal und Anhängerschaft rekrutierten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf katholischer Seite aus der Tradition des Zentrums, auf protestantischer Seite aus den Potenzialen des Christlich-Sozialen Volksdienstes und des Bauernbundes in Württemberg bzw. aus den (national-)liberalen Traditionen der beiden südwestdeutschen Länder.
Im Unterschied zu (Süd-)Baden als Teil der französischen Besatzungszone ließ die liberalere Praxis der amerikanischen Besatzungsbehörden in Nordbaden eine schnellere Parteienbildung zu. Bereits am 14. August 1945 wurde in Karlsruhe die Christlich-Demokratische Partei (CDP) gegründet, am 8. November 1945 die Christlich-Soziale Union in Heidelberg. Diese und weitere lokale Initiativen wurden am 9./10. Februar 1946 mit der Gründung des Landesverbandes Nordbaden zur Christlich-Demokratischen Union zusammengeführt.
Am 20. Dezember 1945 wurde in (Süd-)Baden die Badische Christlich-Soziale Volkspartei (BCSV) als Vorläuferpartei der CDU mit dem späteren Staatspräsidenten Leo Wohleb als Parteivorsitzendem gegründet. Genehmigt wurde die Partei allerdings erst am 8. Februar 1946. Im Jahr 1947 gab sie sich einen neuen Namen: CDU Baden. Die Kontroversen um die Gründung des Südweststaats stellte die Partei von 1947 bis 1952 vor eine innerparteiliche Zerreißprobe.
In Nordwürttemberg wurde am 25. September 1945 die Christlich-Soziale Volkspartei gegründet, eine interkonfessionelle, christlich-sozial orientierte Partei. Auch sie nannte sich ab 1947 CDU und agierte in einer schwierigen politischen Landschaft. Die starke Industrialisierung, ein traditionell hoher Stimmenanteil liberaler Parteien und Vorbehalte in der evangelischen Bevölkerung gegenüber der vielfach als katholisch wahrgenommenen Partei machten es der Union hier zunächst nicht leicht.
In Südwürttemberg-Hohenzollern wurde im Januar 1946 ein Zulassungsantrag für die Christlich-Demokratische Union gestellt. Am 23. März 1946 konnte die erste Landeskonferenz in Sigmaringen stattfinden. Stärker als in anderen Landesteilen waren hier in der vorwiegend katholisch geprägten Region die politischen Diskussionen stets grundsatzorientiert; man kann dies am langen Festhalten an der Konfessionsschule ablesen.
Zusammenschluss zur CDU Baden-Württemberg erst 1971
Erst im Januar 1971 schlossen sich die vier bis dahin selbständigen Landesverbände der CDU zum Landesverband Baden-Württemberg zusammen. Mit dem neuen Verband wurde die Organisationsstruktur der Partei an der Spitze ergänzt. Die vier bisherigen Landesverbände wurden zu Bezirksverbänden, deren Grenzen denen der neu gebildeten Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen entsprechen.

Jahrzehntelange Dominanz der CDU
Charakteristisch für das Parteiensystem Baden-Württembergs war die jahrzehntelange Dominanz der CDU. Von 1953 bis 2011 war sie Regierungspartei und stellte durchgängig den Ministerpräsidenten; zunächst in Koalitionskabinetten mit Gebhard Müller (1953-1958), dann mit Kurt-Georg Kiesinger (1958-1966). Kiesinger wechselte schließlich als Bundeskanzler nach Bonn.
Unter dessen Nachfolger Hans Filbinger (1966-1978) gelang es der CDU, bei der Landtagswahl 1972 die absolute Mehrheit der Mandate zu erzielen. Filbinger trat 1978 zurück, nachdem seine Tätigkeit als Militärrichter in der NS-Zeit öffentlich geworden war. Doch auch unter Ministerpräsident Lothar Späth (1978-1991) sollten sich die Wahlerfolge der CDU wiederholen.
Späths Nachfolger Erwin Teufel (1991-2005) musste jedoch nach zwanzig Jahren CDU-Alleinherrschaft ab 1992 wieder Koalitionsregierungen bilden: zunächst mit der SPD, anschließend mit der FDP/DVP-Fraktion. Diese Koalitionen setzten die weiteren CDU-Ministerpräsidenten Günter Oettinger (2005-2010) und Stefan Mappus (2010-2011) fort.
Opposition und Juniorpartnerin
Mit dem Wahlsieg von Grün-Rot bei der „Fukushima-Landtagswahl“ 2011 wurde die CDU, obwohl weiterhin stärkste Partei, nach 58 Jahren auf die Oppositionsbank verwiesen. 2016 wurde sie schließlich von den Grünen – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes – als stärkste Partei im Parlament abgelöst.
Seither ist die CDU Juniorpartnerin in einer grün-schwarzen Koalition. Bei der Landtagswahl 2021 fuhr die CDU allerdings mit 24,1 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg ein.
Seit der Landtagswahl 2011 hat die CDU vor allem in den städtischen Gebieten an Zuspruch verloren. Bei der Landtagswahl 2021 erzielte die Partei 42 Mandate. Weil Ende 2024 eine Abgeordnete von den Grünen zur CDU wechselte, sind es inzwischen 43.
Allerdings gingen nur noch 12 der 70 Wahlkreise als Direktmandate an die Partei – und dies waren fast ausschließlich eher ländlich geprägte Wahlkreise. Insgesamt waren es zehn Direktmandate weniger als noch fünf Jahre zuvor. „Kann die CDU noch Großstadt?“, fragen sich seither viele. Trifft sie noch das Lebensgefühl in den Großstädten und in urbanen Milieus? An der „Großstadt-Kompetenz“ müsse man arbeiten, sagen auch führende Parteimitglieder. Die Partei müsse zudem jünger und weiblicher werden, moderner und digitaler.
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Autor: Internetredaktion LpB BW | letzte Aktualisierung: März 2026