Wirtschaft

Foto: LMZ-BW

Baden-Württemberg gehört heute zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Deutschland. Es ist ein industrie- und exportintensives Land, das einerseits Firmengiganten von Weltruf wie Daimler, Audi, Porsche, Bosch, SAP, Trumpf und Würth beherbergt, andererseits aber nach wie vor eine mittelständische Wirtschaftsstruktur aufweist.

Innerhalb Europas ist Baden-Württemberg eine der leistungsfähigsten Regionen der EU. Das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner – ein Indikator für die Wirtschaftskraft und die Wettbewerbsfähigkeit einer Region – lag 2013 mit 38.700 Euro um über 25 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Der Südwesten ist in der Spitzengruppe der wirtschaftsstärksten Regionen der EU gut vertreten. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg zählen mit Stuttgart, Karlsruhe und Tübingen insgesamt drei Regierungsbezirke im Land zu den Regionen Europas mit der höchsten Wirtschaftskraft. Hierzu rechnet das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) jene Regionen, deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner kaufkraftbereinigt den EU-Durchschnitt um mindestens 25 Prozent überschreitet. Allerdings ist der Vorsprung des Landes gegenüber dem EU-Durchschnitt in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft. Auch Baden-Württemberg muss sich künftig immer wieder neu positionieren.

Die baden-württembergische Wirtschaft hatte 2009 ihre schwerste Rezession seit Bestehen des Landes zu bewältigen. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hatte sich im Bundesländervergleich überdurchschnittlich stark auf die hiesige Wirtschaft ausgewirkt. Für Deutschland insgesamt war 2009 ein Rückgang des preisbereinigten BIP, dem Maß für die insgesamt erbrachten wirtschaftlichen Leistungen, um 5,0 Prozent festzustellen.

Besonders stark betroffen von der Krise war die heimische Industrie und hier vor allem die exportabhängigen Wirtschaftsbereiche. Erweist sich die Südwestindustrie in wirtschaftlich guten Jahren als zentraler Wachstumsmotor, der maßgeblich zu einer günstigeren Konjunkturentwicklung des Landes beiträgt, so musste sie 2009 einen massiven Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung verkraften, der in diesem Ausmaß in der Geschichte des Landes ohne Beispiel ist. Infolge des globalen Nachfrageeinbruchs gewerblicher Erzeugnisse, die mehr als 90 Prozent der Gesamtexporte Baden-Württembergs ausmachen, hatte die Industrie 2009 einen beispiellosen Ausfall der Auslands- (? 26 Prozent) wie auch Inlandsbestellungen (? 25 Prozent) zu verzeichnen. In breiter Front wurden die bedeutenden Industriebranchen des Landes erfasst. Für 2010 wird ein Anstieg des BIP von über vier Prozent erwartet. Im ersten Halbjahr 2010 stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Die Auslandsnachfrage mit einem Zuwachs von 34,5 Prozent fiel spürbar kräftiger aus als das Auftragsplus aus dem Inland mit 22,5 Prozent. Für das Jahr 2011 ist mit einem BIP-Anstieg von 2,5 Prozent eine fortgesetzte Erholung zu erwarten.

Im Dienstleistungssektor des Landes sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes (2008) 2,17 Millionen Menschen beschäftigt, im Produzierenden Gewerbe 2 Millionen und in der Land- und Forstwirtschaft 102.000. Damit sind im Dienstleistungssektor heute knapp 59 Prozent, im Produzierenden Gewerbe nur noch 38 Prozent und in der Land- und Forstwirtschaft 2 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt.

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Überblick: Struktur der Wirtschaft

Im Zuge des Strukturwandels bewegt sich die sektorale Wirtschaftsstruktur mehr und mehr auf eine Dreiteilung zwischen Industrie, unternehmensbezogenen Dienstleistern und konsumorientierten Dienstleistern zu. Der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung schrumpft kontinuierlich und betrug 2008 rund 40 Prozent. Noch 30 Jahre zuvor war es fast die Hälfte. Die unternehmensbezogenen Dienstleistungen liegen mit einem Anteil von 29 Prozent,  die konsumorientierten Dienste bei 31 Prozent. Die Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei nimmt im Land stetig ab und liegt mittlerweile bei nur noch 0,7 Prozent.

Eine Vorrangstellung hat der Investitionsgütersektor, der knapp zwei Drittel aller Industriearbeitsplätze stellt. Davon befinden sich die meisten in den drei Branchen Maschinenbau, Fahrzeugbau und Elektrotechnik. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ist der industrielle Kern in Baden-Württemberg gewichtiger: Im Südwesten lebt ein Achtel der Bevölkerung Deutschlands, hier arbeitet aber ein Fünftel aller Industriebeschäftigten. Trotz des gravierenden Strukturwandels bleibt Baden-Württemberg einer der wichtigsten Industriestandorte in Europa. Vor allem die Investitionsgüterindustrie ist weltweit gefragt. Ein Schwerpunkt ist dabei die Produktion von Metallbearbeitungsmaschinen. Im baden-württembergischen Maschinenbau sind etwa 292.000 Arbeitnehmer (2009) beschäftigt und damit beschäftigungsintensivste Branche. Ein ähnliches Gewicht hat der Fahrzeugbau. Er stellt rund 203.000 Arbeitsplätze. 157.000 Arbeitsplätze bietet der Wirtschaftszweig "Herstellung von Metallerzeugnissen".

Mit rund 31 Prozent steuern die konsumorientierten Dienste ein weiteres Drittel bei, also die von Unternehmen oder von öffentlichen Einrichtungen angebotenen Leistungen. Die Dienstleistungsbereiche weisen in den letzten Jahren solide Leistungszuwächse auf und sind die Jobmotoren der Wirtschaft im Südwesten.

Die Wirtschaft Baden-Württembergs verfügt über einen stark ausgeprägten innovativen Kern. Baden-Württemberg ist innerhalb der Europäischen Union die Region mit der höchsten Innovationskraft. In keiner anderen europäischen Region wird ein höherer Anteil der Wirtschaftsleistung in Forschung und Entwicklung investiert, nirgendwo ist der Anteil der Erwerbstätigen in forschungsintensiven Industriezweigen höher und nirgendwo werden
– bezogen auf die Bevölkerungszahl – mehr Patente angemeldet als im Südwesten.

Der Südwesten ist bundesweit ein bedeutender Standort der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Kreativwirtschaft.
Mehr als 18 Prozent der deutschlandweit in der IKT-Wirtschaft tätigen Personen entfallen auf Baden-Württemberg, in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind es etwa 16 Prozent. Rund 232.000 Personen sind in der IKT-Wirtschaft tätig, gut 155 000 in der Kreativwirtschaft.

Dennoch liegen - auch historisch bedingt - die Anteile von Wertschöpfung und Beschäftigung im Dienstleistungsbereich niedriger als im Bundesdurchschnitt. Die kleinräumig-dezentrale Struktur im Südwesten mit seinen kleingewerblich-handwerklichen Traditionen bot zwar günstige Voraussetzungen für die Entwicklung hochspezialisierter Industriebetriebe, jedoch nur mäßige Erfolgschancen für große Dienstleistungsunternehmen.  Technische Dienstleistungen sind in Baden-Württemberg überdurchschnittlich repräsentiert.

Baden-Württemberg ist ein klassisches Land des Mittelstands. Die kleinen und mittleren Unternehmen sowie die Selbständige stellen rund zwei Drittel der Arbeitsplätze und bilden vier von fünf Lehrlingen aus. Sie erwirtschaften mehr als 50 Prozent des Bruttosozialprodukts und rund 80 Prozent des gewerblichen Steueraufkommens.

Besonders beachtlich - trotz sinkender Tendenz - ist das Handwerk in Baden-Württemberg. Es steht für Kontinuität, Standorttreue, aber auch für Innovation. Mit annähernd 90.000 Betrieben und ca. 700.000 Mitarbeitern in rund 125 verschiedenen Berufen, mit rund 60.000 Lehrstellen und einem jährlichen Gesamtumsatz von etwa 64 Milliarden Euro ist das Handwerk ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land. Vorherrschend sind kleingewerbliche Strukturen: In mehr als der Hälfte aller Betriebe arbeiten höchstens vier Mitarbeiter, weniger als zwei Prozent der Betriebe beschäftigen 50 Mitarbeiter und mehr.

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Außenhandel: Hoher Export- und Importanteil

Die Wirtschaft Baden-Württembergs ist wie in kaum einem anderen Land im Auslandsgeschäft tätig. Der Exportanteil am Umsatz der baden-württembergischen Industrie wächst beständig: 1995 lag er noch bei 31 Prozent, 2004 waren es bereits 45 Prozent. Jeder dritte Arbeitsplatz in der Industrie hängt in Baden-Württemberg vom Export ab. Insgesamt wurden im Jahr 2008 Waren im Gesamtwert von fast 151 Milliarden Euro exportiert, 2009 waren es Güter im Wert von nur noch 125 Milliarden Euro. Damit verzeichnete der Südwesten aufgrund der Wirtschaftskrise den mit Abstand stärksten Einbruch im Außenhandel seit Beginn seiner Erfassung im Jahr 1950.
Die baden-württembergischen Einfuhren erreichten einen Wert von 109,1 Mrd. Euro. Damit lagen die Ausfuhren um 16,3 Prozent und die Einfuhren um 14,6 Prozent unter den entsprechenden Werten des Jahres 2008.

Über 57 Prozent aller Ausfuhren gingen in die Länder der Europäischen Union. Die wichtigsten Kunden innerhalb der EU kamen aus Frankreich, den Niederlanden und Italien.
Der größte Abnehmer baden-württembergischer Güter waren jedoch die Vereinigten Staaten von Amerika. Baden-Württemberg lieferte in die USA 2008 Waren im Wert von fast 17 Milliarden Euro; das entspricht einem Anteil am Gesamtexport von immerhin 11,9 Prozent, 2009 waren es nur noch 8,1 Prozent.

Die in der Krise schwer gebeutelten Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile ist mittlerweile wieder zur wichtigsten Exportgüterkategorie geworden. Mit Ausfuhrwerten in Höhe von 10,7 Mrd. Euro in den Monaten Januar bis April 2010 zeichnen sie für 22,8 Prozent aller baden-württembergischen Exporte in diesem Zeitraum verantwortlich. Knapp dahinter liegen Maschinen mit 9,5 Mrd. Exportwerten und einem Anteil von 20,1 Prozent.

In Asien hat sich China mittlerweile zum größten Abnehmer baden-württembergischer Produkte entwickelt und dabei Japan überflügelt. 2008 lieferte die baden-württembergische Wirtschaft Waren im Wert von 6 Milliarden Euro in das „Reich der Mitte“. Im Jahr 2009 wurden nach Feststellung des statistischen Landesamtes Güter im Wert von 125 Milliarden Euro aus Baden-Württemberg ausgeführt. Die baden-württembergischen Einfuhren erreichten einen Wert von 109,1 Mrd. Euro. Damit lagen die Ausfuhren um 16,3 Prozent und die Einfuhren um 14,6 Prozent unter den entsprechenden Werten des Jahres 2008.

Aufgrund der Verarbeitenden Industrie und des hohen Einkommensniveaus ist Baden-Württemberg auch ein bedeutender Absatzmarkt für Importwaren. Im Jahr 2009 wurden Waren im Wert von fast 109 Milliarden Euro eingeführt. Etwa die Hälfte der Einfuhren kommt aus den Ländern der Europäischen Union.

Im Jahr 2008 stand den privaten Haushalten in Baden-Württemberg ein monatliches Einkommen von durchschnittlich 4.980 Euro zur Verfügung. Die Höhe des verfügbaren Einkommens gibt Aufschluss über den materiellen Wohlstand der privaten Haushalte, weil sämtliche Einkommensbestandteile, die den privaten Haushalten zufließen, und sämtliche Abflüsse, die deren Einkommen schmälern, berücksichtigt werden. Innerhalb Deutschlands weist Baden-Württemberg unter den Flächenländern mit 20.700 Euro das höchste verfügbare Einkommen je Einwohner auf.

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Aufteilung der Ausfuhren weltweit (Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg)

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EU-Vergleich: Größere Wirtschaftskraft als Schweden, Österreich oder Dänemark

Baden-Württemberg ist auch innerhalb der EU eine der wirtschaftsstärksten Regionen. Mit einem Anteil von etwa 3,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt der EU hat es ein höheres Gewicht als Nationen wie Schweden, Österreich oder Dänemark.

Im EU-Binnenmarkt steht Baden-Württemberg nicht nur im direkten Wettbewerb mit den anderen deutschen Ländern, sondern auch mit den Nachbarregionen im erweiterten Alpenraum, also Österreich, Norditalien, Südostfrankreich und der Schweiz. Auch im europäischen Verbund ist die Exportstärke bestimmend: Mit einem Anteil von knapp über drei Prozent hat Baden-Württemberg als Wirtschaftsregion europäische Bedeutung und wird durch seine zentrale Lage auch von der Erweiterung der EU profitieren. In einer Arbeitsgemeinschaft mit einigen der wirtschaftsstärksten Regionen Europas (Rhône-Alpes, Lombardei und Katalonien) versteht sich Baden-Württemberg denn auch als einer der "Vier Motoren für Europa".

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Aufteilung der Ausfuhren in die EU-Länder (Grafik: Beatrice Baumann, Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg)

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Chancen, Risiken und Herausforderungen - national und international

Im Vergleich der deutschen Länder nimmt Baden-Württemberg eine Spitzenposition ein mit

  • einem überdurchschnittlich hohen Pro-Kopf-Einkommen;
  • einem hohen Lohn-Niveau;
  • einer günstigen Beschäftigungsentwicklung;
  • einer vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquote;
  • einer überdurchschnittlichen Entwicklung der Produktivität und einem hohen Tempo technologischer Innovation
  • einer starken Ausrichtung auf den Weltmarkt, die sich in einer hohen Exportquote und in einem hohen Unternehmensvermögen im Ausland niederschlägt;
  • einer hohen Finanzkraft und damit einem hohen Geberanteil im horizontalen Länderfinanzausgleich.

Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges sind die Standortbedingungen des Landes. Angesichts des Mangels an natürlichen Rohstoffen sind Qualifikation, Innovationstätigkeit und hohe Anpassungsfähigkeit der Menschen die eigentliche Kraftquelle des Landes. Die ausgeprägte Neigung zum Tüfteln ist an der Patentstatistik und den hohen Forschungsausgaben abzulesen. Nicht zuletzt davon hängt auch ab, ob sich der positive Wirtschaftstrend stabilisieren lässt und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnet werden kann:

  • der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs durch europäische Integration und Globalisierung;
  • Abwanderung von Arbeitsplätzen wegen der hohen Arbeitskosten;
  • starke Exportabhängigkeit;
  • der Ausbreitung der neuen Kommunikations- und Informationstechnologien;
  • dem Schutz der Umwelt;
  • dem demographischen Wandel und
  • dem sozialen Ausgleich im Land.

Es ist die Zukunft, nicht die Gegenwart, um die sich die Stuttgarter Regierung Sorgen machen muss. Arbeitsplatzabbau, steigende Verschuldung und Haushaltssorgen sind auch im Musterland längst zum Problem geworden. Noch geht es dem Land sehr gut, aber nach Ansicht von Experten müssen jetzt die Weichen gestellt werden, um auch künftig an der Spitze stehen zu können.

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Erklärfilm - so funktioniert Landespolitik


Ein kurzer Animationsfilm der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund erklärt, wie Landespolitik funktioniert.
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