Prognosen zur Landtagswahl am 13. März 2016

Alle Meinungsforschungsinstitute lagen mit ihren Prognosen zur Landtagswahl deutlich daneben.
Für die Landtagswahl in Baden-Württemberg sagten alle Meinungsforschungsinstitute in den letzten Wochen voraus, dass die Grünen die CDU überholen würden. Die FDP sahen alle Institute über der Fünfprozenthürde; dass sie aber auf 8,3 Prozent zulegen würde, sahen die Institute nicht kommen. Und dass die AfD sogar vor der SPD liegen würde, sagte keines der Umfrageinstitute voraus.

Drei Tage vor den Landtagswahlen am 13. März bekäme weder die grün-rote Koalition noch eine schwarz-gelbe Koalition eine Mehrheit. Laut einer Befragung der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDFs Politbarometer Extra vom 10. März 2016 kämen die Grünen auf 32 Prozent (2011 waren es 24 Prozent), für den Koalitionspartner SPD würden 14 Prozent stimmen (2011: 23 Prozent). Die CDU würde 29 Prozent erhalten (2011: 39 Prozent) und würde damit im baden-württembergischen Landtag zum ersten Mal nicht mehr die stärkste Fraktion stellen. Ihr gewünschter Koalitionspartner FDP käme 6 Prozent (2011: 5 Prozent).

Die Alternative für Deutschland würde aus dem Stand auf 11 Prozent kommen. Die Linke würde mit 4 Prozent nicht in den Landtag einziehen. Zwischen den Prognosen und dem tatsächlichen Ergebnis kann es jedoch große Abweichungen geben: laut der Forschungsgruppe Wahlen wissen nämlich 56 Prozent der Befragten noch nicht, ob und welche Partei sie wählen wollen.

Bei der Regierungsbildung wäre rechnerisch eine große Koalition aus Grünen und CDU, eine sogenannte Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP oder eine sogenannte Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP möglich.  Eine Koalition mit der AfD schließen alle anderen Parteien aus.

Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDFs Politbarometer Extra hatte für die Umfrage zwischen dem 7. und dem 10. März 1.711 Wahlberechtigte befragt, deren Zusammensetzung repräsentativ für die Bevölkerung ist.

Welcher Spitzenkandidat würde bei Direktwahl vorne liegen?

Bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten hat sich laut der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen auch am 10 März nichts geändert. Es gelten immer noch die Werte der Umfrage von Infratest Dimap vom 3. März. Demnach würden sich 64 Prozent der Befragten für Winfried Kretschmann entscheiden, wenn sie den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten. Seinen CDU-Herausforderer Guido Wolf würden nur 17 Prozent gerne an seinem Platz sehen. Selbst aus dem CDU-Lager kommt hohe Zustimmung für Kretschmann: 45 Prozent würden ihn wählen, 37 Prozent den eigenen Kandidaten. Kein Wunder: 65 Prozent aller Befragten sind mit der Arbeit von Kretschmann zufrieden.

Was sind laut den Wähler/innen die größten Probleme Baden-Württembergs?

Nach den dringendsten Problemen des Landes nach Ansicht der Wähler/innen hatte zuletzt das Meinungsforschungsinstitut Forsa am 26. Februar gefragt. Als größtes Problem Baden-Württembergs sehen 52 Prozent der Befragten den Zustrom von Flüchtlingen und die Integration von Ausländern. Für die Anhänger der AFD hat dieses Thema mit 68 Prozent die oberste Priorität. Alle anderen Themen werden dadurch in den Hintergrund gedrängt: die Schulpolitik sehen nur 21 Prozent der Befragten als dringendstes Problem, die Verkehrspolitik ebenfalls 21 Prozent.

Für die Umfrage von Forsa im Auftrag mehrerer Zeitungen waren zwischen dem 16. und dem 22. Februar 1.069 zufällig ausgewählte Wahlberechtige telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.

Alle Ergebnisse der Forsa-Umfrage im Reutlinger General-Anzeiger

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Wahlumfragen zur Landtagswahl 2016 (Angaben in Prozent)


Forschungsgruppe Wahlen vom 10.03.2016

2932146114

Forsa am 9.03.2016

2732167113

Insa vom 07.03.2016

28,533,512,5612,53

Forschungsgruppe Wahlen vom 04.03.2016

3032137114

Infratest Dimap vom 03.03.2016

2832138134

Insa vom 28.02.2016

3030,516,56,593,5

Forsa am 26.02.2016

3030166113

Insa vom 22.02.2016

3030,5167103

Infratest Dimap am 18.02.2016

3128148124

Insa vom 5.02.2016

33,528,513,57103

Forschungsgruppe Wahlen vom 21.01.2016

3428156113

Insa vom 20.01.2016

3529136,511,52,5

Infratest Dimap am 14.01.2016

3528156103

Forsa am 15.12.2015

352819573

Infratest dimap am 03.12.2015

372518584

Forschungsgruppe Wahlen am 20.11.2015

372718563

Institut Insa am 09.10.2015

402416585

Infratest dimap am 24.09.2015

392617554

Allensbach am 11.09.2015

40,524204,434

Forsa am 12.05.2015

382620444

Infratest dimap am 26.03.2015

382518545

Infratest dimap am 13.11.2014

412220354

Infratest dimap am 13.05.2014

412120364
Wahlergebnis 2011
3924,223,15,3-2,8

Zum Aussagewert von Prognosen

Foto: Bibi Saint-Pol, public domain

Wahlprognosen und Trendaussagen im Vorfeld einer Wahl haben nur einen begrenzten Informationswert. Sie sind Momentaufnahmen und keine zuverlässigen Prognosen für den Wahltag. Die Wahlen in den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, dass Umfragen nur selten den tatsächlichen Ergebnissen entsprochen haben.

Nach Ansicht von Wahlforschern kommt es vor allem dann zu deutlichen Fehlprognosen, wenn ein großer Anteil der Wähler bis kurz vor der Wahl unentschlossen ist. Ein hoher Anteil an Wechselwählern kann Prognosen zusätzlich erschweren. Ob die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen die Wähler beeinflussen kann, ist umstritten. So gehen manche Forscher davon aus, dass Wähler einer Partei entmutigt werden, wenn diese laut Prognosen an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern droht.

Für das Wahlergebnis ist letztendlich nur das tatsächliche Abstimmungsverhalten der Wählerinnen und Wähler entscheidend.


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