Plenarsaal
Foto: Landtag von Baden-Württemberg, 2016

Sozialprofil der Abgeordneten

Altersstruktur

Das Durchschnittsalter der Abgeordneten liegt bei 52,6 Jahren (Stand 1.5.2016) und bezieht sich mit geringen Unterschieden auch auf alle Fraktionen im Landtag (Grüne 52,4, CDU 50,9, AfD 54,2, SPD 54,3, FDP 53,0 Jahre). Das relativ hohe Durchschnittsalter verwundert nicht, wenn man die lange „Bewährungsphase“ auf kommunaler Ebene berücksichtigt, die typisch ist für eine Vielzahl der Abgeordneten. Es ist ein jahrelanges Sammeln von Ämtern und Erfahrungen in den Führungsgremien der unteren Parteiebenen oder in den kommunalen Parlamenten.

Altersstruktur der Abgeordneten
16. Landtag von Baden-Württemberg (2016 - 2021)
AlterGrüne (47)CDU (42)AfD (23)SPD (19)FDP/ DVP (12)Landtag (143)
20-25112
26-30141--6
31-351-21-4
36-4033-2-8
41-4536-1414
46-50 6732220
51-5512654229
56-6014833129
61-65 5844223
66-701-3217
71-75--1--1

 

Nach wie vor eine Männerdomäne

Unter den insgesamt 143 Abgeordneten des 16. Landtags befinden sich 35 Frauen. Das sind zwar sichtbar mehr als noch vor dreißig Jahren – da waren im Landtag nur zwei Frauen vertreten – doch im letzten Jahrzehnt stagnierte - beziehungsweise sank - der Anteil Frauen.

Beim Blick auf die einzelnen Fraktionen ergibt sich ein differenzierteres Bild: Der höchste Frauenanteil stellen die Grünen mit 46,8 Prozent. Die CDU wartet mit 16,7 Prozent weiblichen Abgeordneten auf, bei der AfD sind es 13 Prozent. Bei der SPD sind derzeit 10,5 Prozent der Abgeordneten Frauen, bei der FDP/ DVP beträgt der Anteil 8,3 Prozent.

Baden-Württemberg trägt den Makel, von allen Landesparlamenten in Deutschland den geringsten Frauenanteil aufzuweisen. Nicht einmal ein Viertel der hiesigen Landtagsabgeordneten sind weiblich (24,5 Prozent). In Rheinland-Pfalz etwa liegt der Frauenanteil bei 35,6 Prozent.

Wieso hält gerade Baden-Württemberg den „schwarzen Peter“ in der Hand?
Für eine Erklärung lohnt ein Blick auf die Thesen, mit denen die Unterrepräsentanz von Frauen in politischen Gremien begründet wird. Mehrere Erklärungsversuche machen die Frauen für ihre mangelnde Repräsentanz verantwortlich.

  • Die Sozialisationsthese besagt, dass Frauen aufgrund einer traditionellen Rollenzuweisung ein geringeres Interesse an Politik hätten.
  • Die Abkömmlichkeitsthese stellt in den Raum, dass Frauen aufgrund der ihnen zugemuteten Doppelbelastung keine Zeit für politische Ämter hätten.
  • Und die Sozialstrukturthese argumentiert, dass Frauen seltener als Männer in beruflichen oder ehrenamtlichen Leitungsfunktionen zu finden seien, welche die Wahlchancen erhöhten.

All diese Thesen gehen also davon aus, dass nicht genügend qualifizierte Frauen zur Verfügung stünden und der Kandidatinnenpool zu klein sei. Überzeugend ist das nicht: Wieso schaffen es Parteien wie Bündnis 90/ Die Grünen, mit einer sehr viel kleineren Mitgliederzahl als die sogenannten Volksparteien, selbst auf kommunaler Ebene genügend kompetente Kandidatinnen aufzustellen?

Da bleiben eigentlich nur noch die Parteien, die am Frauenanteil drehen könnten. Eine Schraube wäre die Quote: Die Quotenthese besagt, dass der Anteil von Frauen in Parlamenten vom Anteil derjenigen Parteien abhängt, die verbindliche Quoten eingeführt haben. Konkret heißt das, dass ein Wahlerfolg eher linker Parteien die absolute Zahl an Parlamentarierinnen erhöht. Er hat außerdem häufig zur Folge, dass sich auch konservativere Parteien um Frauen bemühen.

Geschlechtsspezifische Zusammensetzung des 16. Landtags
ParteiFrauenMännerzusammen
22 (46,8 %)2547
7 (16,7 %)3542
3 (13,0%)1320
2 (10,5 %)1919
1 (8,3%)1112
insgesamt35 (24,5 %)108143

Quelle: Landtag von Baden-Württemberg. Altersstruktur und Geschlecht der Abgeordneten.

 

 

Erklärfilm - so funktioniert Landespolitik


Ein kurzer Animationsfilm der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund erklärt, wie Landespolitik funktioniert.
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