Ergebnis der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg

Ein Wahlergebnis der Superlative und ein politisches Erdbeben: Die Grünen fahren mit 30,3 Prozent das beste Ergebnis bei einer Wahl überhaupt ein, erstmals in ihrer Geschichte sind sie die stärkste Kraft bei einer Landtagswahl. Schwarzer Tag für die Schwarzen und Roten: Die CDU (27 Prozent) und SPD (12,7 Prozent) sinken auf ein Allzeittief, die Alternative für Deutschland (15,1 Prozent), vor einem Jahr noch totgesagt, zieht aus dem Stand in den Landtag ein und die FDP (8,3 Prozent) kann sich in ihrem Stammland leicht verbessern. Die Linke scheitert mit 2,9 Prozent abermals an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen und liegt bei 70,8 Prozent. (2011: 66,3 Prozent).

Von den 70 Erstmandaten gingen 46 an die Grünen, 22 an die CDU und zwei an die AfD. Bei der Landtagswahl 2011 hatten die Grünen nur neun Erstmandate gewonnen, 60 gingen damals an die CDU und eines an die SPD.

Der neue baden-württembergische Landtag wird aus 143 Abgeordneten bestehen (nach der Landtagswahl 2011 waren es 138). Die größte Fraktion bilden die Grünen mit 47 Abgeordneten, dann folgt die CDU (42 Abgeordnete), die AfD (23 Abgeordnete), die SPD (19 Abgeordnete) sowie die FDP (12 Abgeordnete).

Der Frauenanteil im neuen baden-württembergischen Landtag steigt leicht von bislang 20,3 Prozent auf jetzt 24,5 Prozent. In der Grünen-Fraktion sind die Anteile der Geschlechter fast ausgeglichen (47 Prozent Frauen), in der CDU-Fraktion sind es 17 Prozent, in der AfD-Fraktion 13 Prozent, in der SPD-Fraktion 11 Prozent und in der FDP-Fraktion lediglich 8 Prozent.

Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl 2016

Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahl 2016 (Quelle: Statistisches Landesamt BW)

Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl 2016
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl 2016

Landtagswahl 2016 Baden Württemberg (Angaben in Prozent)
Sonstige

Ergebnis

30,32715,112,78,32,93,7

Gewinne / Verluste

6,1-1215,1-10,430,1-1,9

Landtagswahl 2011

24,239--23,15,32,85,6

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

 

 

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Sitzverteilung

143 Abgeordnete sitzen im neuen Landtag:

Der neue baden-württembergische Landtag wird aus 143 Abgeordneten bestehen (nach der Landtagswahl 2011 waren es 138). Die größte Fraktion bilden die Grünen mit 47 Abgeordneten, dann folgt die CDU (42 Abgeordnete), die AfD (23 Abgeordnete), die SPD (19 Abgeordnete) sowie die FDP (12 Fraktionen). Grüne: 47, CDU 42, AfD 23, SPD 19, FDP 12. Die Mehrheit im Landtag liegt bei 72 Sitzen

 

 

Sitzverteilung im 16. Landtag

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Kurzanalyse der Landtagswahl 2016

Grün-Rot ist abgewählt, obwohl die Mehrheit in Baden-Württemberg mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden war. Bei der Regierungsbildung wäre jetzt rechnerisch eine große Koalition aus Grünen und CDU, eine sogenannte Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP oder eine sogenannte Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP möglich.  Eine Koalition mit der AfD schließen alle anderen Parteien aus.

Ein beliebter, nahezu über der eigenen grünen Partei und den eigenen Kabinettskollegen schwebender Landesvater und Ministerpräsident Winfried Kretschmann, eine wenig kräftige Oppositionspolitik der CDU, die gute Konjunkturlage und Beschäftigungssituation sowie eine pragmatisch unideologische Regierungspolitik führten dazu, dass im Land keine große Wechselstimmung zu verzeichnen war. Kretschmann hat bewiesen, dass der grüne Höhenflug nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 keine Eintagsfliege war. Kretschmanns Beliebtheitswerte stiegen in den fünf Regierungsjahren kontinuierlich - und die der zur Regierungspartei gewordenen Grünen auch. Mit Winfried Kretschmann an der Spitze haben die Grünen das Format einer Volkspartei erreicht. Ein Stammland der CDU hat sich grün gefärbt. 46 der 70 Direktmandate gingen an die Grünen, nur noch 22 an die CDU. Dieser Farbenwechsel reicht weit über die Universitätsstädte hinaus, die früher die einzigen Hochburgen der Grünen waren. Selbst traditionelle CDU-Hochburgen konnten die Grünen jetzt erobern.

In keinem anderen deutschen Flächenstaat hat eine Partei länger regiert als die CDU und von 1953 bis 2011 in Folge sieben Ministerpräsidenten gestellt. Die Umstellung von der Regierungsrolle auf die Rolle der Opposition ist für die Christdemokraten schwer. Erstmals musste die CDU einen Wahlkampf aus der Opposition führen, einen Spitzenkandidaten aus der Opposition heraus aufbauen. Spitzenkandidat Guido Wolf gelang es nie, in die Nähe der Beliebtheit von Winfried Kretschmann vorzustoßen. Selbst im eigenen Lager hatten sich mehr CDU-Anhänger für Kretschmann als Ministerpräsidenten ausgesprochen als für Wolf. Die Flüchtlingskrise spaltet auch die CDU. Wolf schwankte in der Flüchtlingskrise zwischen Unterstützung und Kritik an Merkel. Der Eindruck einer zerstrittenen CDU war in den vergangenen Wochen in der Welt. Somit wurde die Niederlage der CDU noch dramatischer als die von 2011.

Auch wenn außen- und migrationspolitische Fragen nicht auf Landesebene entschieden werden, das Megathema des Wahlkampfes wurde von der Flüchtlingspolitik geprägt.
Landtagswahlen gelten dabei als sogenannte Wahlen zweiter Ordnung, die angesichts ihrer geringeren Bedeutung im Vergleich zur Bundestagswahl gerne von den Stimmberechtigten dazu benutzt werden, den regierenden Parteien - und im diesem Fall der Allparteien-Koalition in Sachen Flüchtlingspolitik - mit Hilfe der Alternative für Deutschland (AfD) einen Denkzettel zu verpassen. Die zunehmende Belastung der Landkreise und Kommunen und die von manchen heraufbeschworenen oder erreichten Grenzen der Integrationsfähigkeit aufgrund der Fluchtbewegungen ließen die AfD erstarken, deren politisches Ende durch ihre Spaltung im Juli 2015 eigentlich schon besiegelt schien. Hinter dem Erfolg der AfD steckt viel Unzufriedenheit mit der Unfähigkeit der Politik, überzeugende und schnelle Problemlösungen anzubieten. Die AfD ist bislang Sammelbecken für unterschiedlichen Protest. Mit den steigenden Flüchtlingszahlen gelang es der AfD, immer mehr der Menschen hinter sich zu scharen, die gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik sind. Verlustängste spielen dabei eine große Rolle.

Den Sozialdemokraten ist es als Juniorpartner der grün-roten Koalition nicht gelungen, Ihren Anteil an der Regierungspolitik der letzten fünf Jahre zu vermitteln. Die Landesregierung hatte in den Umfragen sehr gute Zustimmungswerte erreicht. Dazu haben die sozialdemokratischen Ministerinnen und Minister, die alle wichtigen Ressorts besetzt hatten, beigetragen. Allerdings ist die SPD In Baden-Württemberg ins mediale Abseits geraten, weil die zentrale politische Konfliktlinie seit Stuttgart 21 zwischen den Grünen und der CDU verläuft. Wer medial weniger vorkommt, verliert bald an Aufmerksamkeit und Unterstützung. Sie erleidet das typische Schicksal des "kleineren Koalitionspartners", der hinter dem Ministerpräsidenten landespolitisch kaum noch wahrgenommen wird. Zudem hat die SPD bundes- aber auch landesweit kein Alleinstellungsmerkmal mehr, keinen klaren Markenkern und vor allem große Schwierigkeiten, neue Wählergruppen zu gewinnen. Rot-grüne Wechselwähler haben sich bei der Wahl eher für den stärkeren der beiden Partner entscheiden.

Die FDP konnte sich im Vergleich zur Landtagswahl 2011 leicht verbessern. Als kleinste der Landtagsparteien hatte sie es allerdings schwer, mediale Aufmerksamkeit zu erringen. Spitzenkandidat und Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke poltert gegen die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. „Im Grunde hat sie alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“ vor kurzem. Er kritisiert eine Sogwirkung von Merkels Entscheidung im September 2015, die Grenze zu öffnen. Rülke fordert unter anderem Sach- statt Geldleistungen für Flüchtlinge, schnellere Abschiebungen und die Umsetzung des Dublin-Abkommen. Er betont, dass sich seine Politik anders als bei der AfD nur gegen Merkels Kurs richte und nicht gegen Flüchtlinge.

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Literaturhinweis

Welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass Winfried Kretschmann abermals zum Ministerpräsidenten gewählt worden ist? Dieser Frage geht die Arbeit "Grüner Sieg im Schwarzen Land: Wird die Ausnahme zur Regel?" von Theresa King und Maximilian Clar nach. Mit dem sozialpsychologischen Modell der Wahlforschung versuchen die Autoren herauszufinden, was die Ursache für den vorliegenden politischen Wandel im Bundesland ist und zeigen dabei den Kontrast zwischen der Partei der Grünen und der CDU auf.

Amtliches Ergebnis der Landtagswahl am 13.03.2016
mit Vergleichsangaben von 2011 Land Baden-Württemberg (alle 70 Wahlkreise)
 

Parteien20162011Veränderung
Anzahl%Anzahl%Anzahl%-Punkte
GRÜNE1.623.10730,31.206.18224,2+416.925+6,1
CDU1.447.46227,01.943.91239,0-496.450-12,0
AfD809.55415,1--+809.554+15,1
SPD679.72712,71.152.59423,1-472.867-10,4
FDP445.4988,3262.7845,3+182.714+3,0
Die Linke
156.2402,9139.7002,8+16.540+0,1
Alfa54.7131,0--+54.713+1,0
ÖDP38.7170,742.5390,9--4.022-0,2
NPD23.6090,448.2271,0-24.618-0,6
Die Piraten21.7750,4103.6182,1-81.843-1,7
Tierschutzpartei17.4880,3--+17.488+0,3
REP17.4750,356.7231,1-39.248-0,8
Die Partei17.0480,33840+16.664+0,3
Freie Wähler4.6470,1--+4.647+0,1
Einzelbewerber1.13002.3680-1.2380
Menschliche Welt8770--+8770
Die Rechte7180--+7180
Bündnis C6020--+6020
Tierschutzallianz4800--+4800
Die Einheit2140--+2140
BüSo16603070-1410
DKP14401050+390
Arminius Bund490--+490
Sonstige (2011)24.2760,5-24.276-0,5

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

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Weitere Informationen: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Endgültige Ergebnisse der Landtagswahl am 13. März 2016

Wahlkreisergebnisse interaktiv

Ergebnisse der Landtagswahl in den Wahlkreisen (Tabelle)

Ergebnisse der Repräsentativen Wahlstatistik der Landtagswahl 2016
Pressemitteilung 86/2016, Stuttgart, 1. April 2016
Die GRÜNEN mit deutlichen Stimmengewinnen bei den Älteren, CDU mit Stimmenverlusten in allen Altersgruppen

Wahl zum 16. Landtag von Baden-Württemberg am 13. März 2016

Ergebnisse der Landtagswahl 2016

Vorläufige Ergebnisse
Der Bericht des Statistischen Landesamts bietet eine aktuelle und umfassende Darstellung der Ergebnisse der Landtagswahl 2016. Er beinhaltet neben dem Wahlergebnis für alle 70 Landtagswahlkreise, dem Abschneiden der Kandidatinnen und Kandidaten und der Sitzverteilung auch Auswertungen aus regionaler Perspektive. Darunter das Abschneiden der im Landtag vertretenen Parteien in ihren Hochburgen und Diasporagebieten sowie im soziostrukturellen Kontext.
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Volkshandbuch 16. Landtag

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Vorabauflage mit den neu gewählten Abgeordneten
143 Abgeordnete aus fünf Parteien wurden am 13. März 2016 in den künftigen Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Diese Sonderausgabe über den Landtag von Baden-Württemberg gibt bereits kurz nach der Wahl einen ersten Überblick über das neu gewählte Parlament, dessen Wahlperiode am 1. Mai 2016 beginnt.
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Der Bürger im Staat 4-2015

 

Fünf Jahre Grün-Rot
Aus Anlass der Landtagswahl am 13. März 2016 werden in dem Heft in 13 Aufsätzen fünf Jahre grün-roter Regierungsarbeit bilanziert.
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Erklärfilm - so funktioniert Landespolitik


Ein kurzer Animationsfilm der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund erklärt, wie Landespolitik funktioniert.
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